Die coolste (kleine) Hauptstadt der Welt!

Der Beehive - das Parlament - in Wellington

Und wieder zurück in Auckland! Ganze 16 Tage bin ich in Neuseeland umhergereist, vorrangig auf der Südinsel und großzügig von meiner production company „freigelassen“. Wie es war? Tja, ob ich das jemals in einem Satz zusammenfassen kann… Noch nicht mal in einen einzigen Blogeintrag möchte ich das alles quetschen, deswegen werde ich über mehrere Artikel hinweg von meinen Abenteuern schreiben. In gewisser Weise meine Reise also nochmal erleben – aber ihr seid dieses Mal dabei! Ich hoffe, ich kann diesem wundervollen Land und seinen unglaublichen Leuten zumindest einigermaßen gerecht werden. Viel Spaß!

Los geht’s am Samstag, den 13. August, viel zu früh an einem nassen Morgen am Bahnhof in Auckland. 12 Stunden mit dem Zug von Neuseelands Millionenstadt in die bedeutend kleinere Hauptstadt: Wellington. Oder auch Windy Wellington. In meinem Fall eher verschneites Wellington…

Okay, aber als ich am Samstagabend schließlich ankomme, ist davon noch nichts zu ahnen. Es ist kalt, aber ich bin viel zu aufgeregt, um das zu bemerken. Es gibt Städte, wo man sich einfach sofort zurechtfindet; geradezu zuhause fühlt. Kennt ihr das? Als wäre man schonmal dort gewesen und ist endlich zurück! So war Wellington für mich. Einen Supermarkt auftrieben? Klappt auf Anhieb. Mit dem richtigen Bus zur richtigen Haltestelle fahren? Kein Problem! Mitten in der Nacht das Haus meiner Gastgeber finden? Nichts leichter als das!

Moment, meine Gastgeber… ach ja, genau… also, ich habe auf meiner Reise das erste Mal Couchsurfen ausprobiert. Im Internet gibt es eine Webseite, ähnlich wie facebook und andere Netzwerke, auf denen Reiseverrückte Unterkunft suchen oder anbieten können. Und zwar vollkommen gratis. Genau: Genial – dachte ich mir auch so und habe mich da angemeldet. In Neuseeland gibt es unverhältnismäßig viele Couchsurfer; deswegen hatte ich eine absolut riesige Auswahl, als ich nach einer Unterkunft für Wellington suchte. Letztlich habe ich mich für Sinéad entschieden. Und es nicht bereut!!! Couchsurfen ist tausendmal cooler als Hostel, weil man 1. einheimische, interessante Leute kennenlernt, die dich 2. sagenhaft großzügig wie einen Freund bei sich aufnehmen und 3. dafür nicht einen Cent wollen! Ich muss nun unbedingt eine SMS zitieren, die ich bekommen habe, bevor mich Sinéad überhaupt persönlich kennengelernt hat:

„Maria! I have to head out now to a friend’s birthday that I hope you will join us at. There might not be anyone home so go around to the back door – I’ve turned the light on – and look under the largest plant pot for the key. Dump your stuff and help yourself to some tea. Tea is in the cupboard with honey and milk in the fridge. If you want a shower in ahead. Shoot me a text and I’ll let you know where we are or if you want to chill at home feel free to play music and use the internet. See you soon“

Zusammengefasst: Damit war ich auf eine Party eingeladen, mir wurde das Geheimversteck des Ersatzschlüssels verraten und ich wurde aufgefordert, doch bitte Lebensmittel, Dusche und Computer zu nutzen. Ich mochte die Leute, bevor ich sie überhaupt getroffen hatte! Geht’s noch besser?! Jaaa, als ich sie dann live gesehen habe, waren sie natürlich NOCH netter! Ich sage nur Gemüsesuppe (vegetarisch. Ich hatte es am Rande erwähnt.) und Schokoladenkuchen…

Aber zurück zu Wellington: Ernsthaft, wenn ich je nach Neuseeland zurückkomme, dann ziehe ich in diese Stadt. Die Atmosphäre ist kreativ, alternativ, entspannt. Den Sonntag nutze ich, um die City mit ihren Kunstausstellungen, coolen Museen (Te Papa!), Hügeln, Cable Cars zum Botanic Garden und den besten Cafés ever zu genießen. Wellington ist eine Filmstadt, hat den Spitznamen Wellywood (angelehnt an Hollywood, haha) und Regisseur Peter Jackson (Herr der Ringe) nennt die Stadt immer noch sein Zuhause. Und wie passend, in meinem Glück ist am Sonntag der letzte Tag des Nationalen Filmfestivals! Natürlich muss ich ins Kino gehen! Dummerweise ist der Film meiner Wahl dann aber schon ausverkauft… und während ich mich  enttäuscht zum Ausgang bewege, werde ich von einem älteren Herrn angesprochen:

„Welchen Film wolltest du denn sehen?“ Zehn Sekunden später stehe ich völlig aus dem Konzept gebracht immer noch im Foyer – mit einer Eintrittskarte für „Pina in 3D“ in den Händen! Der Film ist zufällig eine deutsche Dokumentation, aber ich wollte ihn vor allem sehen, weil er im Embassy Theatre gezeigt wurde, einem außergewöhnlich schönen Kino aus den 1920ern. Mit türkisblauen Vorhöngen und Gästen in Anzügen (und diesem weißen Schal! Ihr wisst, was ich meine). Ja, richtig, ich habe einen ausverkauften Film UMSONST gesehen. Darf man so viel Glück überhaupt haben?

Meine Gastgeber interpretierten übrigens auch folgende Tatsache als Glück: Während meines Aufenthalts in der Stadt hat es geschneit! Das ist in Wellington seit der 70er Jahre nicht mehr passiert; entsprechend war es also wirklich was ganz Besonderes. Ich war im Museum, als plötzlich sämtliche Leute um mich herum anfingen, wie wild SMS zu schreiben und Bekannte anzurufen. Erst als ich aus dem Fenster sah, erkannte ich den Grund: Ein paar weiße Krümel… nichts eigentlich… zumindest für Mitteleuropäer! Allerdings wurde es am Montag dann so eiskalt in meinem Gasthaus, dass alle im Wohnzimmer schlafen mussten, da dies der einzige Raum mit Heizung war! Mein letzter Abend auf der Nordinsel war entsprechend einfach nur lustig… Darum schleiche ich mich fast bedauernd am Dienstagmorgen aus dem Haus – doch natürlich nicht ohne einen begeisterten Dankesbrief und eine Tafel Schokolade zurückzulassen (ich weiß, lächerlicher Versuch, mich für ihre unsagbare Großzügigkeit zu revanchieren)

Ich würde gerne viel länger in Wellington bleiben. Aber die Fähre zur Südinsel – mein Hauptreiseziel – liegt schon im Hafen… und ich kann verraten: Habe es definitiv NICHT bereut, an Bord gegangen zu sein!!!

Lesen Sie demnächst von: Stürmischer See, erstaunlich frühlingshaften Temperaturen nur 70 Kilometer weiter westlich, die Odyssee zum Zentrum von Neuseeland uvm. Freut euch prophylaktisch schonmal.

Love ya

P.S.: Haben mir „meine“ Wellingtonians gezeigt: Australier versuchen kiwi accent – und klaaaar, sie scheitern kläglich!

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