Zilker Park Austin mit Blick auf die Stadt

Texas, Baby

Howdy aus Austin, Texas! („Howdy“ sagt hier natürlich niemand, aber um die Klischees zu bedienen…)

Texas. Da fallen einem ja auch eine Menge Klischees ein: Cowboys, Ölmilliardäre, umweltunfreundliche Autofanatiker, illegal eingewanderte Latinos, Waffenlobbyisten und höchst konservative Politiker, die in endlosen Weiten zwischen Rindern, Staub und thumbleweeds Barbecues mit Riesensteaks (selbstverständlich ohne vegetarische Beilagen) veranstalten.

Ich vor dem Capitol in Austin, Texas

Und wer weiß, vielleicht sind diese Annahmen auch gar nicht so falsch? So sicher kann ich das nicht sagen, dazu weiß ich noch viel zu wenig über diesen Staat. Aber Austin, die Hauptstadt von Texas, ist anders. Im positiven Sinne.

Park

Zilker Park

Austin ist eine grüne Stadt, in jeder Hinsicht. Zuerst liegt sie am Colorado River, an dessen Ufern sich entspannte Parks ausdehnen, die zu jeder Tageszeit und Temperatur mit Joggern gefüllt sind. In den Supermärkten der gesamten Stadt herrscht – ökologisch vorbildlich – Plastiktütenverbot. Es gibt sehr preisgünstige Busse und sogar eine Menge Fahrradfahrer, was für amerikanische Städte wirklich nicht selbstverständlich ist. Austins Einwohner lieben Livemusik und Kunst, ihre speziellen lokal geführten Läden und Tiere, insbesondere Hunde.

Interesting

Dogs

Ich selbst wohne auch mit zwei Hunden zusammen, einem Schäferhundmischling und einem Pitbull – oh, und mit ihren Besitzern Megan und John natürlich, einem Paar in ihren 20ern, sie aus New York und er aus Connecticut. Ich bin sehr froh, das Zimmer bei ihnen gefunden zu haben. Es ist für Austins Verhältnisse wirklich günstig und liegt noch einigermaßen zentral, was in der sich rasant ausdehnenden Stadt entscheidend ist, wenn man kein Auto hat.

Downtown Austin

Food Truck

Ich muss sagen, viele von Austins Vorzügen wie die zahlreichen Musikveranstaltungen oder die sehr guten Restaurants oder praktischen food trucks habe ich noch gar nicht richtig nutzen können… die Uni hat mich seit der Anreise schon sehr in Anspruch genommen. Meine Kurse gingen zwar erst am Mittwoch los, aber vorher waren endlos viele bürokratische Dinge zu erledigen: Besuch bei den akademischen Beratern, beim Gesundsheitsservice, Orientierungsveranstaltungen vom Internationalen Büro, Treffen mit den Dozenten, Koordinatoren… dann wieder zurück zu den akademischen Beratern und noch so einiges. So habe ich bisher die meiste Zeit auf dem Campus verbracht. Aber das ist nicht schlimm, denn der ist spannend genug!

Campus Tower und Springbrunnen der University of Texas

Allein die Größe ist überwältigend: Ich schätze (und google maps stimmt mir zu), dass der Campus der University of Texas at Austin etwa so groß ist wie die gesamte Altstadt von Erfurt. Kein Wunder, denn es gibt ALLES auf dem Campus: Neben den für Unis noch üblichen großzügigen Gebäuden für jede Fachrichtung steht ein Football-Stadium mit über 100.000 Sitzplätzen, es gibt ein Baseballfeld und einen (nie genutzten?) Fußballplatz, ein Schwimmbad, mehrere Museen, ein Theater, den universitätseigenen Health Service (eine Art Ärztehaus), Geldautomaten der University Bank, mehrere Filialen von Starbucks, Wendy’s und ähnlichen Essensmöglichkeiten, 16 Bibliotheken und unzählige Aufenthaltsräume, Studentenwohnheime, einen Schildkrötenteich, eine Post, Parkhäuser, University Co-ops, in denen Bücher und teure(!) Uni- und American Football-„Fanartikel“ verkauft werden, mit denen sich sämtliche stolze Familienmitglieder frisch zugelassener Freshmen eindecken.

Texas Union Building

Co-op

Stolz zurecht vielleicht. Die University of Texas ist in Uni-Rankings unter den besten 100 Hochschulen weltweit, nach Times Higher Education derzeit auf Platz 25. Laut Wikipedia haben übrigens zum Beispiel Janis Joplin und Renée Zellweger hier studiert. An meiner Fakultät, wenn auch nicht in meinem Schwerpunkt, hat Matthew McConaughey seinen Bachelor gemacht… Insgesamt sind etwas über 50.000 Studierende hier immatrikuliert, davon sind etwa ein Zehntel International Students, die entweder so wie ich ein Semester hier verbringen oder, was eher vorkommt, ihren gesamten Abschluss an der Uni machen wollen.

Ich muss sagen, ich bin bisher auch extrem zufrieden. Anfangs gab es ein paar Probleme mit der Kursbelegung, weil alle Exchange Students als Undergraduate (also Bachelor) registriert werden, ich aber natürlich lieber Master-Kurse besuchen möchte. Daraufhin startete eine abenteuerliche Unterschriftensammelmission – „Get twelve signatures in less than two days!“ –  die mir in Kombination mit ein paar glücklichen Zufällen letztlich ermöglichte, tatsächlich alle Kurse zu belegen, die ich ausgesucht hatte. Ein Gutes am Auslandsstudium ist ja auch, dass man nur zu einem geringen Teil direkt an sein eigenes Fach gebunden ist. Darum habe ich neben zwei „echt“ kommunikationswissenschaftlichen Kursen zwei Journalistik-Kurse gewählt.

Ich werde definitiv noch mehr über die Uni schreiben müssen; erstmal, weil sie gerade so ziemlich meinen Alltag bestimmt und ich ohnehin nichts weiter berichten kann und zweitens, weil ich glaube, die Unterschiede zwischen dem deutschen und amerikanischen Universitätssystem sind per se spannend genug, um mehr Info darüber zu rechtfertigen.

Cheers!

P.S.: Das Lied hört meine Mitbewohnerin regelmäßig und tanzt im Wohnzimmer dazu.

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