I love Coimbra: Schaufenstergestaltung

Cidade universitária

Olá!

Inzwischen bin ich schon seit einiger Zeit wieder in Deutschland, aber manchmal scheint Portugal trotzdem nur wenige Sekunden entfernt zu sein. Ich muss die Länder ständig vergleichen – das hat mit Ende der Bachelorarbeit nicht aufgehört. Natürlich nicht. A sério, tenho saudades.

Campus

Mir ist aufgefallen, dass ich eigentlich nie so richtig vom Unialltag geschrieben habe, was komisch ist! Denn gerade in dem Bereich gibt es so viele Unterschiede zu Deutschland; ziemlich lustige Unterschiede. Ein paar Beispiele: Selbstverständlich kommt jeder gerne mal zu spät, gilt auch für die Professoren. Es gibt an jeder Uni sogenannte Bars, in denen es neben dem unverzichtbaren Café (also Espresso „Shots“) auch als günstiges Studentenmenü Bier plus Bifana gibt (Bifana ist sozusagen ein Steak im Brötchen). Das Verhältnis zwischen Profs und Studierenden ist lockerer als in Deutschland – am Anfang hätte ich vielleicht sogar „respektlos“ gesagt. Es war völlig normal, dass mich mein portugiesischer Bachelorarbeit-Betreuer mit beijinhos (Küsschen) begrüßt hat, wir uns über seine Fahrradunfälle unterhalten und er mich mit dem Auto nach Hause bringt.

Centro Coimbra

Oase

Was aber viel spannender ist: In Portugal gibt es eine Menge studentische Rituale und Bräuche. Die meisten davon stammen aus Coimbra, einer wunderschönen kleinen Stadt im Zentrum Portugals. Und zwar aus gutem Grund: In Coimbra befindet sich eine der ältesten (und garantiert schönsten!) Universitäten Europas, gegründet 1290. Zum Vergleich: Die Uni Erfurt, an der ich nun studiere, ist die älteste Uni im heutigen Deutschland – gegründet 1379, lächerlich jung also!

Uma república

Torre

Der einzige Grund, warum ich vielleicht doch nicht so unbedingt in Coimbra anfangen würde, zu studieren: Die Uni liegt echt an der höchsten Stelle der Stadt, von weither erkennbar am Turm – und ich sage euch, die Straßen da hoch sind steil, steil, steil…

Escadas Monumentais

Coimbra

Aber der Ausblick von oben eben auch wieder ziemlich genial! Interessanterweise liegt die ESCS, meine Fakultät in Lissabon, auch auf einem Hügel… möglicherweise ist das bei portugiesischen Unis eine Bautradition, die aus Coimbra übernommen wurde…

Coimbra da noite

In jedem Fall stammt aus Coimbra eine ziemlich coole Immatrikulationstradition: Während der ersten Woche/n müssen die armen Erstsemester einige „teambildende Maßnahmen“ über sich ergehen lassen, die unter dem Begriff „praxe“ zusammengefasst werden. Hier die Stufen, die die Erstis alle erreichen müssen, angefangen beim „bicho“ (Viech):

Hieraquia da Praxe

Ich hatte Glück, weil ich gerade in der Einführungswoche in Coimbra war und das Ganze darum live miterlebt habe. Beispielsweise müssen die Erstis durch die ganze Stadt ziehen, dabei das Fakultätslied brüllend (von Singen kann nicht die Rede sein…), dann hin und wieder so etwas wie Staffelläufe machen, sich so lange zu Boden blickend im Kreis drehen, bis sie quasi umfallen, verrückt tanzen, eine Ewigkeit schweigen etc. Das alles unter der strengen Aufsicht der Mentoren, padrinhos und madrinhas, die im Zweifel noch zusätzliche 20 Liegestütze anordnen.

Diese Mentoren sind normalerweise ältere Studenten aus dem selben Studiengang und schon von weitem zu erkennen; sie tragen nämlich trotz der portugiesischen Hitze formelle Kleidung – und lange, schwarze Umhänge. Deshalb sehen sie aus wie eine Mischung aus Hogwartsschülern und Vampiren – kein Witz!! Sie sind übrigens sehr, sehr stolz auf ihren Umhang, der von keiner anderen Person unerlaubt berührt werden darf und dessen Kragen nach einem komplexen System gefaltet wird, je nachdem, in welchem Studienjahr sich der Träger befindet. Mein Mitbewohner war padrinho; ich wette, er könnte hier noch seitenlange Ausführungen ergänzen, aber ich denke, die grobe Idee ist klar geworden, oder?

Was ich für eine besonders schöne Tradition halte, ist die „queima das fitas“, auf Deutsch etwa das „Verbrennen der Bänder“. Jedem Studiengang wird an den portugiesischen Unis eine bestimmte Farbe zugeordnet, die sich in Stoffbändern wiederspiegelt. An meiner Fakultät war Gelb zum Beispiel die Farbe für jornalismo. Finalistas, also Studierende, die kurz vorm Abschluss stehen, kaufen ein paar der passenden Bänder, auf die ihre Familie und Freunde dann gute Wünsche schreiben. Im Rahmen des Studienabschlusses werden diese Bänder schließlich verbrannt – damit die guten Wünsche auch in Erfüllung gehen können!

Für meinen Bachelor habe ich leider keine Bänder gekauft; aber für den Master möchte ich das auf jeden Fall machen!

Beijinhos

P.S.: Ich will wieder Sommer.

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