Blick auf Vernazza vom Wanderweg nach Monterossa aus

Postkartenperfekt: Die Städte von Cinque Terre

Cinque Terre im Dezember ist vermutlich eine ziemlich gute Idee gewesen. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie überfüllt die fünf kleinen Städte an der Mittelmeerküste im Sommer sein müssen. Denn sie sind wirklich extrem malerisch: Pastellfarbene Häuschen, die aussehen, als wären sie direkt in die Klippen gebaut. Dazu Sonne und die dunkelblaue See. Und zu allem Überfluss auch noch leckerste Foccachio und italienisches Eis.

Leider hatte ich nur einen Tag für Cinque Terre. Zu der Region gehören von Süden nach Norden die Städte Riomaggiore, Manarola, Corniglia, Vernazza und Monterossa. Mein ursprünglicher Plan war, mir alle fünf anzusehen. Letzten Endes habe ich aber auf Corniglia verzichtet, um wenigstens etwas mehr Zeit für die anderen vier zu haben.

Die Städte von Cinque Terre sind mit relativ regelmäßig fahrenden Zügen verbunden, für die ich mir ein Tagesticket gekauft habe. Außerdem gibt es zwischen den Städten Wanderwege direkt an der Küste entlang. Der schönste Teil – zwischen Riomaggiore, Manarola und Corniglia – ist jedoch noch bis Mitte 2017 gesperrt. Weil ich trotzdem ein bisschen wandern wollte, bin ich die „alternative Route“ von Riomaggiore nach Manarola durch die Weinberge geklettert. Ehrlich gesagt war das wirklich anstrengend und vor allem war ich mir nicht sicher, ob der Weg im Winter überhaupt offen ist. Doch da ich Manarola erreicht habe, war er es wohl – und die Aussicht war toll! Von da an ging es für mich allerdings nur noch mit dem Zug weiter; mein straffer Zeitplan ließ nichts anderes zu. Jetzt aber der Reihe nach.

Bahnstation von Riomaggiore

Durch die weinberge von Riomaggiore nach Manarola

Riomaggiore

In dem Ort habe ich übernachtet, weil er von Florenz am besten zu erreichen war. Es gibt außerdem zwei kleine Tante-Emma-Läden, in denen ich ein zugegeben relativ karges Abendessen gekauft habe. Ich denke, im Sommer sollte es kein Problem sein, in einem kleinen Restaurant zu essen, aber als ich abends ankam, war die Stadt ziemlich ausgestorben. Dafür war es morgens unten am Hafen ebenfalls friedlich (und Fotos mit Selbstauslöser zu machen ist deutlich weniger peinlich, wenn dir keiner dabei zusieht).

Riomaggiore bei Sonnenaufgang

Shop Alimentari Franca in Riomaggiore

Hafen von Riomaggiore

Blick auf Riomaggiore am Nachmittag

Manarola

Was für ein Anblick! Um Manarola nicht nur im Morgen-, sondern auch im Nachmittagslicht sehen zu können, habe ich auf einen Stopp in Corniglia verzichtet. Ich saß bestimmt eine halbe Stunde einfach in der Sonne und habe die Stadt angestarrt. Zu schön.

Manarola am Morgen

Manarola am Nachmittag

Monterossa

Monterossa ist die nördlichste der fünf Städte und liegt demnach geografisch nicht neben Manarola. Ich bin aber mit dem Zug von Manarola zunächst in den Norden gefahren. Als ich Monterossa erreichte, war die Sonne endlich „richtig“ aufgegangen und es war frühlingshaft warm. Das hat meinen Eindruck sicherlich positiv beeinflusst. Wenn Sommer gewesen wäre, hätte ich Monterossa als Badeort ausgewählt, denn dort ist der Strand einfach am schönsten. Beziehungsweise: Es gibt überhaupt einen echten Sandstrand und nicht bloß einen Zugang zum Wasser.

Am Strand von Monterossa

Strandpromenado von Monterossa

Liebesschlösser bei Monterossa

Vernazza

In Vernazza habe ich gegessen – und zwar sehr gutes vegetarisches Focaccia und noch besseres Eis. Allein deswegen ist es gut möglich, dass diese Stadt mein Favorit in Cinque Terre ist. Außerdem ist der Ausblick bestechend; direkt vom Hafen aus führt ein Weg in die Hügel hinter dem Ort. Von dort aus kann man entweder nach Monterossa wandern – oder einfach ein paar schöne Fotos machen.

Kickertisch im Zentrum von Vernazza

Vegetarisches foccachia in Vernazza

Gelato in Vernazza

Ausblick auf Vernazza und ich

Blick auf Vernazza und das Mittelmeer

Corniglia konnte ich wie gesagt leider nicht sehen, denn mein Zug nach Rom fuhr schon am Nachmittag ab, da ich mich für die billigere Regionalbahn entschieden hatte. Was hätte ich dafür gegeben, einen Sonnenuntergang in Cinque Terre zu sehen! Denn da die Region an der Westküste Italiens liegt, steht das Licht fürs Fotografieren abends perfekt. Naja, es sollte nicht sein, also wohl ein guter Grund, wiederzukommen. Vielleicht ja einmal im Sommer.

Meine Zugfahrt nach Rom war übrigens ziemlich unterhaltsam. Im Vierersitz neben mir saß ein Somalier, der in ein kleines Dorf nicht weit von Rom wollte. Er erzählte mir, dass dort seine Freundin wohnen würde, die erst vor kurzem mit dem Boot von Somalia nach Italien geflüchtet war. Er hatte sie davon abhalten wollen, weil es so gefährlich ist, aber irgendwann hatte sie ihn angerufen: „Ich bin in Europa.“

Der Somalier hatte an dem Tag schon eine kleine Odyssee hinter sich. Eigentlich wohnte er in Belgien. Er war mit dem Fernbus nach Rom gekommen; von dort wären es eigentlich noch zwei Stunden bis ins Dorf seiner Freundin. Aber als er am Bahnhof nachfragte, wie er am besten dorthin kommen könnte, wurde er nach Florenz geschickt, weil jemand den Dorfnamen mit einem Stadtteil verwechselte. Erst in Florenz wurde der Irrtum aufgedeckt, weshalb er nun wieder auf den Weg in den Süden war, Angst hatte, seine Station zu verpassen und alle fünf Minuten von seiner nervösen Freundin angerufen wurde. „In Somalia ist das Reisen viel einfacher als in Europa“, meinte er. Ich sah ihn nicht gerade überzeugt an. Er erklärte: „Zumindest es gibt so wenige Orte, dass jeder weiß, wo man hinmuss und es nicht zu so einem Durcheinander kommen kann.“ Wieder etwas gelernt, würde ich sagen.

P.S.: Ich habe keine einzige Postkarte geschickt, also bitte das hier als Ersatz betrachten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Welt-Erfahrungen