Football-Spiel in Austin

On Sports

Hook 'em

Mein Wochenende war ausgesprochen sportlastig – auf höchst amerikanische Weise.

Wie einigen von euch vielleicht nicht entgangen ist, war am letzten Wochenende die Formel1-Prominenz in und vor allem um Austin herum unterwegs. Der Circuit of the Americas war wie schon im vergangenen Jahr die US-Rennstrecke der hier Formula One genannten Verrücktheit. Ich konnte nicht hingehen, die Karten waren doch etwas zu teuer… aber es gab ein Fan Fest downtown, das habe ich mir natürlich nicht entgehen lassen!

Austin Fan Fest

Circuit of the Americas Fan Fest

Am Freitag war ich mit einem Kurs (inkl. Professor) beim Bowlen. Unerklärlicherweise habe ich im ersten Durchgang sogar 99 Punkte gemacht und war damit glaube ich sogar am besten! Natürlich konnte ich den Titel in der zweiten Runde und mit nachgelassenem Anfängerglück nicht verteidigen. Aber mir war das beides ziemlich gleichgültig. Meinen amerikanischen Kommilitonen dagegen überhaupt nicht. Sportlicher Wettstreit wird hier ernst genommen…

Und das ist eigentlich erstaunlich, wenn ich bedenke, dass offenbar JEDER Amerikaner ab einer Strecke von etwa einer Viertelmeile das Auto als einziges denkbares Fortbewegungsmittel versteht. Wirklich wahr. Ich verabschiede mich auf dem Weg zum Supermarkt, der am unteren Ende der Straße liegt. Meine Mitbewohnerin: „Do you want a ride?“ Wieso?!

Oder ich erkläre meiner Kommilitonin, dass ich mit dem Bus nach Hause fahre. „Fährt der Bus etwa unten am Stadion? Am anderen Ende des Campus? Aber wie kommst du denn da hin?!“ – „Hmm, zu Fuß?“ – „Echt?!“

Dazu muss ich sagen, dass Austinites schon ziemlich gerne Fahrrad fahren, aber das hat hier tatsächlich eher was mit Sport oder einer sehr bewussten, fast hipsterhaft individuellen Entscheidung zu tun. Eine Freundin der WG hat letztens so stolz erzählt, als hätte sie das Rad erfunden (im wahrsten Sinne des Wortes) : „Ich fahre inzwischen fast überall mit dem Fahrrad hin. Außer, wenn ich die Stadt verlassen muss! Und das spart ja sooo viel Geld!“ Anerkennende, ‚also-ich-könnte-das-nicht-durchziehen‘-Blicke von allen Seiten…

Ich könnte jetzt darauf eingehen, dass amerikanische Städte rein  infrastrukturtechnisch oft wirklich ein Auto erfordern, aber eigentlich wollte ich vom Highlight meines Wochenendes berichten: ich habe mir ein American Football Spiel der Uni-Mannschaft Texas Longhorns angesehen! Live im Darrell K Royal-Texas Memorial Stadium!

Stand for the Longhorns

Natürlich war es awesome.Texas und Football sind ein Traumpaar. Schon vor Beginn des Spiels trifft man sich zum tailgaten. Tailgating ist eine Art Pre-, Während- und After-Barbecueparty, die neben dem Stadion zwischen Autos in Partyzelten mit Flachbildschirmen stattfindet (die Tailgater gehen oft gar nicht ins Stadion, sondern sitzen davor). „Tailgate“ die Ladeklappe von Pick-ups, auf denen die Büffets aufgebaut werden. Und klar: Cowboystiefel tragen erwünscht!

Tailgating

Cowboy Boots

Unser Stadion fasst über 100.000 Besucher (zum Vergleich: das größte deutsche Fußballstadion in Dortmund kommt auf 80.645 Plätze). Und für $20 Studentenpreis wird dann eine unglaubliche Show geboten. Es gibt – typisch amerikanisch – ALLES: Cheerleader, eine riesige Band, die verrückte Figuren auf dem Spielfeld läuft, Essensmöglichkeiten in Massen, ein sagenhaft lautes und textsicheres Publikum, eine kleine Flugformation über dem Stadion vor Spielbeginn, in die Menge geworfene Pizzakartons (gefüllt), eine Kanone, die vor jedem zwölfminütigem Spielviertel abgeschossen wird, mehrere Preisverleihungen – ach so, und natürlich endlos viele „ausgestopfte“ Spieler, die zwischendrin auf dem Feld herumlaufen.

Band

Cheerleaders

Wobei, so oft laufen sie eigentlich nicht. Football ist das Spiel der Spielunterbrechungen. Trotz einer netto Spiellänge von nur 48 Minuten haben wir über drei Stunden im Stadion verbracht. Eigentlich die gesamte Zeit stehend – auf den Sitzbänken… schon nach dem ersten Viertel tut dir der Rücken weh.

Football ist von den Regeln her seltsam. Alle paar Yards verlassen scheinbar sämtliche Spieler das Feld, um gegen ein komplett neues Set eingetauscht zu werden. In vier Spielzügen müssen mindestens 10 Yards zurückgelegt werden, bevor der Spieler mit Ball zu Boden geht. Abgesehen davon gilt es dann natürlich, den Ball am richtigen Ende des Spielfelds abzulegen, das bringt 6 Punkte. Danach sollte der bestenfalls für einen Extrapunkt noch durch die Torstangen gekickt werden.

Tja, obwohl das Longhorn Football Programm wohl über $800 Mio wert ist, haben wir leider gegen die Oklahoma State Cowboys verloren. Enttäuschte Fans haben in Scharen vor Spielende das Stadion verlassen. Aber vielleicht wird Bevo, das Maskottchen und ein echter Longhorn, im nächsten Spiel mehr Glück bringen.

Texas is a State of Mind

Bevo

Bis dahin: Get your horns up und nicht vergessen, den Texas Fight Song zu üben!

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