Bunte Margheritas in Austin

On Food

So, nachdem ich letzte Woche vielleicht etwas in den ‚Hard News‘-Bereich abgedriftet bin, nun ein angenehm-leichtes Thema: Essen!

Tortillas and Queso - Texmex bei Trudy's in Austin

Gleich vorweg: Entgegen einer oft geäußerten Warnung habe ich bisher nicht zugenommen. Naja, ich schätze, durch den Unistress kann ich nicht zunehmen, aber unter anderen Umständen wäre es schon möglich. Immerhin trieft das Essen hier oft nur so vor Fett – Klischee bestätigt – und ist natürlich einfach nur übertrieben lecker! Und es gibt so vieles auszuprobieren! Damit möchte ich gleich das zweite häufig geäußerte Bedenken zerstreuen: Ja, auch in Texas kann man als Vegetarierin überleben. Obwohl es doch der Staat von Barbecue und Steak ist, wie mir ein besorgter Engländer während meiner Anfangstage im Hostel mitteilte. Überleben funktioniert sogar ziemlich gut, denn als individualistische Kultur erfüllt die USA jeden noch so ausgefallenen (Essens-)Wunsch. Wurde mir so zumindest in meinem „US-Kultur“-Seminar inkl. Mittagessen erklärt. Und ich kann bisher nichts Gegenteiliges berichten.

Also, typisch texanisches Essen. Ich glaube, man kann es grob in zwei „Familien“ unterteilen, die ich mal All American und Tex-Mex nenne.

Tater Potatoes and Fries auf der Texas State Fair

All American (oder auch: Alles, was ungesund, aber leider auch extrem lecker ist) bezeichnet für mich das, was ich irgendwie in Szenen aus Hollywoodkitsch und Eindrücken von Desperate Housewives einfügen kann. Da wären dickbödige Pizza, Fries (Pommes) oder Tater Potatoes, sowas wie ganz schmal geschnittene Kartoffelscheiben, die in heißem Öl ertränkt wurden. Der gelbe Dip auf dem Bild ist Käse. Ich dachte doch tatsächlich beim Bestellen, das „Käse = Reibekäse“ – aber natürlich nicht, das wäre ja fast gesund!

Funnel Cake bei der State Fair of Texas

Sehr leckere Abrundung des Ganzen: Funnel Cake. Es erinnert mich stark an spanische Churros, aber ist irgendwie noch fettiger. Wird mit allem serviert, was wir auf Waffeln essen würden. In diesem Fall haben wir Karamelcreme und Schlagsahne („Bitte nicht so viel wie bei der Frau vor uns!!!“ + Angst in Blick und Stimme).

Der große Renner ist außerdem Mac&Cheese, übersetzt etwa Maccaroni mit Käse. Ist das typische Kinderessen, vergleichbar mit unserem Nudeln mit Tomatensauce, nur in ungesünder. Denn der Käse in Mac&Cheese ähnelt dem oben abgebildeten gelben Dip… es ist aber sehr lecker, durfte ich mal von meiner Mitbewohnerin probieren, als ich meinte, ich hätte noch nie Mac&Cheese gegessen. Sie fand das dann so krass, dass sie es ihren Kollegen bei der Arbeit erzählt hat. Die fanden es genauso krass.

Nun, Tex-Mex ist ja schon in Deutschland ziemlich genial. Und in Texas ist es zu Hause, wie der Name nahelegt. Damit ist es hierzulande einfach nur A M A Z I N G. Das Tex in Tex-Mex bedeutet übrigens, dass Fisch und Meeresfrüchte eher eine untergeordnete Rolle spielen. Auf der südlichen Seite der Grenze soll das etwas anders sein.

Grandiose Essenserlebnisse beginnen hier schon damit, dass dir in nahezu jeder Bar und jedem Restaurant noch vor der Bestellung ein Korb mit Tortillachips und scharfe Salsa hingestellt werden und beides endlos nachgefüllt wird. Geht immer aufs Haus. Und die Chips schmecken immer wie so frisch wie selbstgebacken. Die Salsa ist immer anders, woraus ich schließe, dass entweder nicht alle im selben Supermarkt einkaufen oder (wahrscheinlicher) auch die nach Hausrezept frisch zubereiten. Perfekt dazu passen Zuckergetränke in extremen Farben, am besten etwas in die Richtung Hibiscus-Eistee mit Minze, Cream Soda (Softdrink mit Vanillegeschmack) oder fruchtige Margeritas, hier von links nach rechts Mango, Birne (pink, ernsthaft?!) und Melone.

Bunte Margheritas in Austin

Und dann liegt das Menü vor dir – und du hast die Qual der Wahl! Okay, zugegeben, als Vegetarier ist man an dieser Stelle schon im Vorteil, weil Einiges schnell ausgeschlossen werden kann. Bleibt nur noch die Wahl zwischen Tacos, Burritos, Quesadillas, Enchiladas… Unentschlossen? Im Zweifelsfall: Burritos! Mit Extra-Guacamole! (Tacos sind eher kompliziert zu essen…) Texaner sind manchmal ziemliche Connoisseure, was „ihr“ Tex-Mex betrifft und gehen z.B. GAR NICHT damit klar, wenn man etwa Salatgurken dabei zu verwenden gedenkt – gehört schließlich im Original nicht dazu! Auf der anderen Seite wiederum können manche Texaner „Jalapeño“ nicht richtig aussprechen…

Burritos essen in Austin

Nachtischmäßig habe ich übrigens eine Offenbarung gehabt: Sopaipillas! Das ist sowas wie frittiertes, dünnes und innen luftiges Weizenbrot in Zimt und Zucker gewälzt, am ehesten vielleicht mit platt gedrückten Berlinern vergleichbar. Ist in großen Teilen Lateinamerikas beliebt und wird in Texas mit Eis und Honig serviert – überhaupt, Eis und Honig, geniale Kombination – so unscheinbar sie wirken, das solltet ihr euch wirklich nicht entgehen lassen, wenn ihr mal vor Ort seid!

Sopaipilla, der beste lateinamerikanische Nachtisch

Austin ist der perfekte Ort, um auswärts zu essen. Das Ganze wird oft mit Livemusik begleitet und ist auch nicht teuer; wichtig ist aber, genug Trinkgeld zu geben, davon leben die Kellner hier und das meine ich wörtlich. Ihr Stundenlohn liegt nämlich oft genug bei gerade mal $2.

Supermarkt HEB in Austin

Aber natürlich ist selbst kochen günstiger, tatsächlich sogar noch einen Tick günstiger als in Deutschland, würde ich schätzen. Ein großer Lagerhallen-Supermarkt bzw. HEB ist zum Glück direkt bei mir im die Ecke. Und dort gibt es frische Avocados zu $50ct und Sweet Potatoes, Millionen verschiedener Pancake-Fertigmischungen (nur noch Wasser hinzufügen,fertig – das Leben kann so einfach sein), Milch (skim, lite, 2%, whole milk? 1 Gallon, 1/2 Gallon, 1/4 Gallon?), Tortillas (Mais- oder Weizenmehl? Lieber Vollkornmehl? 10er oder 20er Pack? Hausmarke, die aus Mexiko importierten oder die frischen vom Backshop? Kleine oder große? Mittelgroße?!) Fragen über Fragen angesichts dieser überwältigenden Auswahl von Konsummöglichkeiten… allerdings habe ich inzwischen natürlich meine Standardprodukte gefunden. Doch es macht Spaß, eigentlich bei jedem Einkauf etwas Neues zu entdecken.

Amerikanisches Nutella

Um dann in der eigenen Küche überraschenderweise Altbekanntem zu begegnen: Nutella! Leiste ich mir hier nicht, käme mir auch irgendwie seltsam vor; aber einen Löffel davon musste ich doch „testen“, besonders, als ich auf der Rückseite gelesen habe, dass das Glas aus Kanada kommt. Schmeckt auch tatsächlich ein bisschen anders als in Deutschland, könnte aber auch daran liegen, dass die Creme hier aufgrund der Wärme sehr „streichzart“ ist, während zumindest in winterkalten Küchen Erfurts daraus eher „zum Streichen zu hart“ wird. Rechts im Bild übrigens schokolierte Sonnenblumenkerne. Immer wieder etwas Neues….

P.S.: In Vorfreude auf das kommende Wochenende, denn sie haben in Austin ein Festival für mich organisiert: ACL, best Lineup ever! Nein, die Fledermauskolonie ist nicht willkürlich gewählt. Und jaaaa, ich habe ein Ticket!!!

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