Wasserfall mit Badeerlaubnis im Parque Nacional da Chapada dos Veadeiros

Oi Brasil!

ich und wasserfall

Meine größte Reise in diesem Jahr habe ich nun wohl leider schon hinter mir. Und sie ging… nach Brasilien! Für mich stand das Land spätestens seit Portugal weit oben auf der Liste mit Traumreisezielen. Und da es für Michaela ein Stopp auf ihrer Weltreise war und ich ausnahmsweise Geld hatte, habe ich mich ihr für zwei Wochen angeschlossen.

Da sie ihre Flüge schon gebucht hatte, stand die Route praktischerweise auch für mich fest: São Paulo, die Hauptstadt Brasília, der Nationalpark Chapada dos Veadeiros und Fortaleza.  Von dort ging es für Michaela weiter nach Kolumbien. Weil für mich Brasilien ohne Rio de Janeiro nicht Brasilien wäre, habe ich dort noch drei Tage allein verbracht.

flugzeug sao paulo

Aber von vorne, also von São Paulo. Da ich an einem Freitagabend direkt von der Redaktion zum Flughafen gefahren bin, kam ich gegen 5.30 Uhr am Samstagmorgen in der größten Stadt Brasiliens an. São Paulo ist riesig, die Kernstadt hat fast 12 Millionen Einwohner. Zum Glück hatte mir Michaelas Freundin Camila, bei der wir untergekommen sind, genau erklärt, wie ich mit dem Bus von internationalen Flughafen zu ihrer Wohnung komme. Die Bushaltestelle zu finden war eine kleine Herausforderung, die ich jedoch dank meiner (sehr eingerosteten) Portugiesisch-Kenntnisse meistern konnte. Letztlich war ich dann etwa gegen acht Uhr bei Camila.

Weil ich im Flieger geschlafen hatte und sowieso ziemlich aufgedreht war, hat sie mir dann auch gleich ihr Viertel und einen Flohmarkt gezeigt. Bin dorthin das erste Mal in meinem Leben mit einem Uber gefahren. Camila fährt mit dem Fahrdienst jeden Tag zur Arbeit, was wohl schon genug über den öffentlichen Nahverkehr von São Paulo verrät… Dafür gibt es aber überall tolle Fahrradwege, asphaltiert und mit einer Spur in jede Richtung, die tatsächlich gut genutzt werden.

Auch sonst hat São Paulo bei mir einen guten ersten Eindruck hinterlassen: Es gibt selbst in der absoluten Innenstadt, an der Rua Paulista, einen kleinen Waldpark. Und weil die Stadt auf so vielen Hügeln gebaut ist, führen die Straßen kreuz und quer in mehreren Etagen und mit vielen Brücken übereinander hinweg – es hat was von Harry Potter. Hinter den kleinen, bunten Häuschen ragen schlanke Hochhäuser so platzsparend wie möglich in den Himmel. So wiederum stelle ich mir Hongkong vor.

sao paulo straßen

sé sao paulo

Als wir dann Michaela vom Flughafen abgeholt hatten,  ging es schließlich los: Caipirinha – und so gutes Essen! Halbgefrorenes açaí mit Müsli, pastéis (Blätterteigtaschen mit etwas Fettigem deiner Wahl gefüllt),  Saft aus Cashewfrucht, frittierter Maniok,  pão de queijo, vegetarisches feijoada, Guaraná, Kokoswasser und vieles zu Leckeres mehr.

Schade, dass wir nicht lang in São Paulo geblieben sind. Man fühlt sich dort schnell zu Hause und zum Arbeiten und Leben soll die Stadt auch angenehmer als Rio sein. Sagen die Paulistas. Kann schon sein, denn angefühlt hat sich die Stadt wie Berlin: Zerstückelt, kreativ, international.

party sao paulo

reuniao

Als die Kammer über Präsidentin Dilma Rousseff abgestimmt hatte, waren wir allerdings noch in der Stadt. Nachdem sich die Abgeordneten für das Amtsenthebungsverfahren (auf gut Portugiesisch: impeachment) und damit gegen sie entschieden hatten, gab es in São Paulo erstmal spontan Feuerwerke. Rousseff hat sich so unbeliebt gemacht, weil sie Staatsbilanzen geschönt hat und in einen Korruptionsskandal mit dem Ölkonzern Petrobras verwickelt ist.

Wo wir schon bei Politik sind, passt unser nächstes Reiseziel ganz gut: Brasília, die Hauptstadt und damit Regierungssitz. Aber erst seit 1960, denn vorher gab es Brasília noch gar nicht. Die Stadt wurde in den 1950ern am Reißbrett vom brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer entworfen und ist UNESCO-Kulturerbe. Da ist man schon etwas gespannt, um nicht zu sagen, vorfreudig. Tja. Brasília ist leider nicht allzu besuchenswert. Es hat keine Seele.

parlament brasília

Alles ist auf Autos ausgelegt und denkbar fußgängerunfreundlich. Schlecht für Touristen. Es gibt keine Straßennamen; die Stadt ist stattdessen in nummerierte Blöcke und nach Himmelsrichtungen aufgeteilt. Dazu gibt es Sektoren für bestimmte Einrichtungen, etwa den Krankenhaus- oder Hotel-Sektor, wo dann drin ist, was draufsteht. Und sonst eben nichts. Keine natürliche Vermischung. Nicht mal der Stadtpark ist schön. Die Kathedrale war von innen ganz nett. Niemeyer hat 2001 selbst gesagt, dass Brasília ein gescheitertes Experiment sei.

brasilía centro

catedrale brasilía

Glücklicherweise waren wir nur einen vollen Tag in der Hauptstadt, dann sind wir mit Camila und zwei ihrer Freundinnen, Isabela und Marina, weitergereist. Mit dem Mietwagen ging es zwei Stunden Richtung Norden, in den Nationalpark Chapada dos Veadeiros. Und auf jeder Skala ist der Park so sehenswert, dass es Brasílias negativen Wert locker ausgleicht!

wasserfall2

mirante

pflanze

Das Highlight sind die Wasserfälle. Man erwartet sie nicht in einer Landschaft, die eher ausgetrocknet wirkt. Aber sie sind überall: Klein und in unwirklichen Farben schimmernd wie die Loquinhas, die nicht weit von unserem Hostel in Alto Paraíso  entfernt waren.

chuvadeiro

Oder der Catarata Dos Couros mit drei Plateaus, den wir erst nach 30 Kilometern Autofahrt auf einer „Straße“ aus rotem Sand mit anschließender Klettertour erreicht haben. Eine Schlange gab es auch.

wasserschlange

chuvadeira2

baden

Und nun das Beste: Baden war erlaubt! Sehr empfehlenswert ist der Sprung von der sechs Meter hohen Klippe am Wasserfall São Bento.

Wäre der Urlaub nun vorbei gewesen, hätte ich bereits das Gefühl gehabt, mehr als genug erlebt zu haben. Meninas, muito obrigada pelos dias incríveis! Deswegen mache ich hier jetzt erstmal einen Schnitt, bevor es weiter Richtung Äquator – und Atlantik – nach Fortaleza geht. Beziehungsweise gehen soll. Denn unser Nachtbus vom Nationalpark zurück zum Flughafen Brasília wollte erst mit zwei Stunden Verspätung losfahren. Das könnte also knapp werden…

wasserfall und ich

P.S.: Darauf habe ich seit Jahren gewartet; ein Eintrag, zu dem dieses Lied passt!

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