Waffen und Jagdtrophäen im McBride's Shop

McBride’s Guns

McBride parking lot

Letzten Samstag habe ich einen Wochenendausflug der besonders Texas-typischen Art gemacht (nicht ganz unernst gemeint): Ich war bei McBride’s, in einem Gun Shop. Also in einem Waffenladen.McBride’s ist nicht weit vom UT Campus entfernt und der Shop bedeutend größer und besser besucht, als ich es an einem sonnigen Samstagnachmittag erwartet hätte. Auf dem Parkplatz standen riesige Pickups und die Ladenbesucher gaben sich alle Mühe, jedes Klischée über texanische Rancher zu erfüllen: Cowboyhüte und Holzfällerhemden überall. Was mich aber erstaunt hat, waren die vielen kleinen Kinder, die zwischen den Gewehren und Pistolen Fangen spielten.

family trip

Pink riffle

Um McBride’s ein bisschen zu verteidigen, sollte ich erwähnen, dass es dort nicht nur Schusswaffen zu kaufen gibt, sondern z.B. auch Angelzubehör. Im Grunde ist es ein ganz normales Jagdgeschäft, wie man es durchaus auch in Deutschland (auch in Erfurt) finden kann – obwohl ich den Verkäufern gegenüber behauptet habe, dass es bei mir zu Hause nichts Vergleichbares gäbe. Aber diese Behauptung hat es mir leicht gemacht, mit den Leuten im Laden ins Gespräch zu kommen.

Ja, an Samstagen sei es immer so voll, viele kämen mit ihrer ganzen Familie her, wurde mir erzählt. Nein, ich müsse nicht aus den USA sein, auch als Deutsche könnte ich problemlos eine Waffe kaufen. Vorausgesetzt, ich sei mindestens 21 und im Besitz einer Texas ID sowie einer sogenannten alien number (eine Art Ausländerregistrierungsnummer). Nein, ich bräuchte keine Schießausbildung absolvieren, nur einen background check bestehen – also ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis vorlegen können. Und natürlich dürfte ich die Waffe nicht aus den USA mitnehmen, die müsse im Land verbleiben. Nein, kein Jagdschein nötig, ich bräuchte auch kein Sportschütze zu sein – Selbstverteidigung sei schließlich Grund genug, sich eine Waffe zu beschaffen!

Give up the gun

Trophies

Ein Verkäufer namens Brian nahm sich dann auch die Zeit, mir mehrere Modelle vorzuführen und mir die Unterschiede beim Laden von Halbautomatischen und Revolvern zu erklären. Und er erzählte, dass in Texas das open carry verboten sei. Waffen müssen also auf offener Straße so getragen werden, dass sie nicht sichtbar sind. Ich nickte zu allem und versuchte, einfach bloß interessiert zu wirken, aber tatsächlich fühlte ich mich ziemlich unbehaglich, fast wie eine Spionin. Irgendwie erwartete ich ständig, dass jemand zu mir sagen würde: „Hey, was machst du eigentlich hier? Du darfst hier gar nicht sein! Du bist doch gegen uns, gib’s zu!“

Das passierte aber nicht, im Gegenteil. Die Verkäufer waren ehrlich gesagt wirklich nett zu mir. Als ich Brian erzählte, dass ich aus Deutschland komme, meinte er anerkennend: „Ja, sehr viele der besten Waffen werden in Deutschland hergestellt. Hier, zum Beispiel diese Halbautomatische von Sig Sauer…“ Als er das sagte, fühlte ich mich nicht mehr nur unbehaglich, sondern völlig elend – was allerdings sicher nicht Brians Ziel gewesen war.

Eigentlich ist es also ziemlich heuchlerisch, dass es für die meisten Menschen in Deutschland nicht ohne weiteres möglich ist, Waffen zu kaufen. Bis zu einem gewissen Punkt scheint die gesetzliche Regelung in den USA dazu sogar nachvollziehbar: solange sich eine Person nichts zu Schulden kommen gelassen hat, warum ihr den Kauf einer Waffe verbieten? In den USA würde so ein präventives Verbot als krasse Beschränkung der persönlichen Freiheit verstanden werden. Was of course gar nicht geht, selbst wenn es zum Besten der Allgemeinheit sein sollte…

Denn ja, selbstverständlich es gibt internationale Statistiken zu Todesfällen durch Schusswaffen auf 100.000 Einwohner. In Deutschland liegt diese Rate bei 0,2 für 2010, in den USA bei 3,2. Und ich behaupte jetzt mal, dass sich dieser Unterschied auch auf die jeweiligen Waffengesetze zurückführen lässt. Oder wie es mein Mitbewohner John ausdrückte: „Wer eine Pistole kauft – und sei es nur zur Selbstverteidigung – hat zumindest insgeheim schon die Absicht, sie auch mal zu benutzen. Allein schon, damit sich der Kauf gelohnt hat.“

P.S.: Irgendwie düsteres Thema. Hoffen wir das Beste.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Welt-Erfahrungen