Ich auf der schneebedeckten Spitze von Mount Ngauruhoe

„Man kann nicht einfach nach Mordor spazieren.“

Oh doch, man kann…

Schneebedeckter Mount ngauruhoe, Herbst im Tongariro National Park

Zusammen mit sieben anderen International Students war ich im Tongariro National Park; wer sich nicht in Mittelerde auskennt: Dort wurden die Mordor-Szenen gedreht und dort befindet sich auch der Schicksalsberg, in dem Frodo den einen Ring zerstören soll, engl. Mount Doom alias Mount Ngauruhoe. Unser Plan: Eine der schönsten Wanderungen Neuseelands und einen „kleinen“ Umweg von drei Stunden zur Spitze des Schicksalsbergs. Ist übrigens ein aktiver Vulkan.

So weit, so gut. Nur 20km, atemberaubende Landschaft, tolles Wetter – klingt eigentlich schon nach einem entspannenden Spaziergang, oder? (I am sorry, Boromir!)

Ich habe immer noch das Gefühl, Neuseeland ist mein persönliches riesiges Filmset, weil alles so übertrieben perfekt schön ist. Auckland ist eben eine Stadt, cool und multikulturell – aber Neuseeland ist unvergleichlich. Die Wanderung hat das wieder bestätigt. Mitten in der grauen Mondlandschaft des Nationalparks plötzlich drei smaragdgrüne Seen und über allem thront die schneebedeckte Spitze des „Schicksalsbergs“. Und auf der stand ich, in 2287m Höhe. Aber bis dahin war es tatsächlich eher KEIN Spaziergang.

Vulkan Mount Ngauruhoe im Tongariro National Park

Ehrlich gesagt war es in mancher Hinsicht so ziemlich das Verrückteste, was ich je getan habe, weil:

1. Es gibt keinen Pfad. Du musst deinen eigenen Weg finden.

2. Es ist wirklich, wirklich steil.

3. Der Schnee hat die Sache nicht leichter gemacht.

4. Nach dem Aufstieg folgt der Abstieg.

5. Ich bin in meinen Chucks gewandert, ähm, geklettert. Nein, gerutscht. War nicht so schlau.

Ein Schild am Eingang des Parks warnte: „Are you prepared for this?“ Haha, natürlich war ich nicht vorbereitet – typisches Problem bei Spontanität. Ich weiß nicht, wie oft ich an diesem Tag „Ich sterbe“ gedacht habe. Gedacht, wohlgemerkt, nicht gesagt. Ich sage das ja relativ häufig nur so nebenher. Nein, in der Situation war es zum Aussprechen zu ernst… Irgendwann nach meinem dritten unglücklichen Versuch, mich an einem losen Stein hochzuziehen und bevor ich das fünfte Mal im Schnee ausrutschte und glaubte, rückwärts den Berg runterzufallen, dachte ich wortwörtlich: „Kann nicht einfach ein Helicopter vorbeikommen und mich zurück nach Auckland fliegen? Bitte… JETZT?!“

Klettern auf die Spitze von Mount Ngauruhoe im Tongariro National Park

Auf der Spitze des Schicksalbergs Mount Ngauruhoe im Tongariro National Park

Es kam kein Helicopter. Zur Spitze habe ich es trotzdem geschafft. Und, noch wichtiger, zurück ins Tal auch. Beim Abstieg war der Schnee übrigens doch hilfreich: Auf einer Plastiktüte bin ich nach unten „geslidet“ – anders wäre ich in meinen Schuhen ohnehin nie unten angekommen. Ein bisschen Angst hatte ich schon, weil der Schnee nach absehbarer Strecke wieder in fieses Gestein überging und es wegen des rekordverdächtigen Gefälles eigentlich unmöglich war, kontrolliert zu bremsen. Aber das hat extrem viel Spaß gemacht!!! („Good job!“ meinten dazu andere, professionellere Wanderer anerkennend, als sie mich weiter unten ein- bzw. überholten.)

Smaragdgrüne Seen im Tongariro National Park

Nach diesem Abenteuer – für adrenalinsüchtige Nahtoderfahrungssuchende sehr geeignet; versucht es nicht mit Bungy, das ist bloß spaßig – ging die eigentliche Wanderung erst richtig los; vier Stunden lagen also noch vor mir, die ich nur durch literweise Wasser plus Äpfel, Müsliriegel und Kitkat-Schnorren überlebt habe. Die letzten drei Kilometer sind wir dann übrigens gerannt. Warum? Naja, es wurde immer dunkler und wir wollten die Steine und Baumwurzeln doch lieber sehen als darüber stolpern. Außerdem hat ein Schild behauptet, für diesen letzten Teil sollte man 45 Minuten einplanen… wir brauchten halb so lang. Pommes bei Burger King waren noch nie so notwendig. Endlich wieder zu Hause bin ich ins Bett gefallen. Das habe ich heute dank Ganzkörpermuskelkater auch kaum verlassen. Doch egal, für diese außergewöhnliche Erfahrung hat der sich mehr als gelohnt! Und in Anbetracht meiner Unfitness bin ich sogar ein wenig überrascht von mir…

Ich auf der schneebedeckten Spitze von Mount Ngauruhoe

C ya around! Love

P.S.: Mein „Wanderohrwurm“.

0 Comments

  1. Liebe Maria, dein Beitrag ist sehr gut gelungen. Die Landschaft ist atemberaubend schön. Wir wünschen uns mehr solcher tollen Berichte deiner Aktivitäten in NZ. Liebe Grüße von Lucas, Mama und Papa

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