Traumhafter Lake Moraine im Herbst

Kontrastprogramm in Kanada

Fluss auf der Wanderung Burstall Pass in Alberta

Weiter ging unsere Reise also in Kanada, genauer gesagt in Calgary, Provinz Alberta, östlich der Rocky Mountains. Statt Städten stand nun Natur auf dem Plan – und wir wurden vom Herbst begrüßt, inklusive Schnee, gelber Bäume und eisiger 5 Grad.

Direkt am Flughafen haben wir unseren Mietwagen abgeholt. Statt eines Economy-Wagens wartete als kostenloses „Upgrade“ ein klobiger SUV.  Na toll, dachten wir. Werden wir die zusätzlichen Benzinkosten mit einer Nacht im Auto schlafen ausgleichen können?

Zunächst hatten wir allerdings eine Unterkunft in Calgary. Die Stadt ist extrem jung, erst im späten 19. Jahrhundert ist sie entstanden, wie wir bei einem Besuch im Fort lernten. Ölfunde einige Jahrzehnte später machten sie wohlhabend.  Tatsächlich fand ich die Atmosphäre in Calgary angenehm ausgeglichen, obwohl die Stadt ziemlich auf Business reduziert wirkte und entsprechend langweilig war. Aber es gibt die Peace Bridge, ein Hipstercafé namens Phil & Sebastian mit eigener Rösterei und eine Art Kopie des CN-Towers in Toronto.

Peace Bridge in Calgary

Der Tower von Calgary

Von Calgary ging es mit Timbits (Donut holes) ausgerüstet weiter nach Canmore. Die Kleinstadt liegt am Rand des Banff National Park. In Canmore sind wir in einer der besten Airbnb-Unterkünfte ever untergekommen: Unsere Gastgeberin Elizabeth hat uns jede nur erdenkliche Wanderausrüstung geliehen, uns Tipps zu den besten Trails gegeben – und erklärt, wie man Bear Spray verwendet. (In etwa wie Pfefferspray.) Grizzlys und Schwarzbären sind in der Gegend gar nicht so selten, wir haben aber trotz ausgiebiger Wanderungen keinen gesehen. Dafür aber immerhin Elche!

Grüner Grassi Lake bei Canmore

Hinweisschild: Achtung, Bären

Wild überquert die Straße im Jasper National Park

Auf Elizabeths Empfehlung hin haben wir eine Wanderung zum Burstall Pass im Peter Lougheed Provincial Park gemacht. Die etwa 15 Kilometer lange Tour war unglaublich abwechslungsreich. Was mich besonders beeindruckt hat: Abgesehen von einem Wanderer vor uns, an dessen Fußspuren wir uns im Schnee orientieren konnten, gab es sonst keinen einzigen Menschen auf der Strecke – wahrscheinlich auch sonst keinen im Umkreis von 40 Kilometern. Dieses Gefühl absoluter Abgeschiedenheit hatte ich zuletzt in Neuseeland. Und es ist unvergleichlich.

Winterliche Tannen auf der Wanderung zum Burstall Pass

Wanderung Burstall Pass in Alberta

Verschneite Weite des Burstall Pass

Schneebedecktes Ende des Burstall Pass

Schneewanderung Burstall Pass

Es fiel mir wirklich etwas schwer, Canmore nach drei Tagen zu verlassen. Aber wir hatten die Nationalparks noch vor uns! Zuerst ging es in den UNESCO-geschützten Banff National Park.

Straße in Banff in der Provinz Alberta

Gletscher am Lake Moraine im Banff National Park

Definitiv mein Highlight: Der Lake Moraine! Tiefblauer, in sich ruhender Gletschersee, dahinter weiße Bergkette, dunkelgrüne Tannen. Der benachbarte Lake Louise ist auch schön, aber reicht da einfach nicht heran. Insbesondere ein riesiges Chalet daneben zerstört die Stimmung.

Traumhafter Lake Moraine im Herbst

Lake Louise im Banff National Park

Die Nacht verbrachten wir nicht im Chalet, sondern im Gemeinschaftsdorm des Mosquito Creek Hostel. Ohne fließend Wasser, Strom oder W-Lan, dafür mit einer erstaunlichen Menge Zeit und Ruhe.

Mosquito Creek Hostel im Banff National Park

Frühmorgens fuhren wir weiter zum Athabasca Glacier im Columbia Icefield. Den Gletscher darf man nicht betreten. Es gibt allerdings geführte Wandertouren, doch denen haben wir uns nicht angeschlossen. Sie erinnern an Massenabfertigungen: Ganze Busladungen werden direkt zum Gletscher gefahren, laufen dann eine kleine Schleife und werden schließlich zurück ins Restaurant kutschiert, um dort ihre identischen Fotos vergleichen zu können. Alternativ werden aber auch Eisklettertouren zum fast 3500 Meter hohen Gipfel des Mount Athabasca angeboten…

Gletscher im Jasper National Park

Indian Pass im Banff National Park

Ein Canyon im Banff National Park

Am Icefield waren wir eigentlich schon nicht mehr in Banff, sondern im Jasper National Park. In Jasper haben wir uns Mountainbikes geliehen und sind damit zu einem nahen Canyon gefahren. Es war… naja, schrecklich? Ich hatte teilweise sozusagen Todesangst. Vor einer Abfahrt starrte ich so lange fassungslos in die Tiefe, bis irgendwann ein (deutscher) Wanderer zu mir sagte: „Keine Sorge, es ist nur am Anfang so steil!“ Tja, impossible is nothing, überlebt habe ich.

Ausblick über den Jasper National Park

Danach war an Entspannung nicht zu denken: Denn am Abend verließen wir Jasper schon wieder, da das Hi-Hostel einfach extrem schlecht war. Stattdessen übernachteten wir tatsächlich auf einem Parkplatz, im Kofferraum unseres Mietwagens. Das war ziemlicher Nervenkitzel, weil es an sich verboten ist, zwischen 22 und 7 Uhr auf den Parkplätzen zu stehen – eben damit niemand dort schläft, Müll hinterlässt und die Tiere stört. Jede Minute, so glaubten wir, würde der Ranger vorbeizukommen, um uns des Parks zu verweisen. Irgendwann wurde diese Sorge überlagert durch die Überlegung, ob ein Bär möglicherweise die Autotüren aufbrechen könnte. Schließlich stellten sich aber die Kälte und Deckenmangel als die einzigen – aber schwerwiegenden – Probleme heraus. Bei Sonnenaufgang und nach insgesamt vielleicht zwei Stunden Schlaf fuhren wir weiter.

Unser Mietwagen in Kanada

On the way to Drumheller

Und es lag eine lange Strecke vor uns. Von den Rockies ging es über endlose, schnurgerade Straßen nach Osten. Unser Ziel war Drumheller, ehemalige Kohleminenstadt und nun Dinosaurier-Hochburg in außergewöhnlicher, gletschergeprägter Landschaft. Die Temperatur kletterte während der 500 Kilometer langen Fahrt wieder um 20 Grad nach oben.

Hoodoo in Drumheller

Erdschichtung in Drumheller

In Drumheller und Umgebung werden auffällig viele Dinosaurierskelette und andere Fossilien gefunden. Nach der letzten Eiszeit wurden in der Gegend auf tiefer liegende Erdschichten freigewaschen. Entsprechend besuchten wir das Royal Tyrell Museum – das hat sich sehr gelohnt. Zumindest, wenn man sich schon als Kind für den Stegosaurus interessiert hat. 😉

Stegosaurus im Dinosaurier-Museum Drumheller

Dinosaurierskelet Black Beauty in Drumheller

Unser Roadtrip endete Tausende Kilometer und Hunderte Timbits später wieder am Flughafen Calgary bei der Autovermietung. Die Angestellten wollten uns zuerst zusätzliche Jungfahrer-Gebühren in Höhe von 240 kanadischen Dollar abknöpfen. Aber glücklicherweise konnte ihnen Tobias das geschickt ausreden (ich hätte wahrscheinlich brav gezahlt). Mit einem Nachtflug ging es zum letzten Stopp vor Europa; nach Toronto. Da kamen wir völlig übermüdet an, die Stadt konnten wir also leider nicht mehr zusammen erkunden.

Aber zu dem Zeitpunkt hatten wir auch beide schon so viele Eindrücke gesammelt, dass es mir vorkam, als hätte ich Deutschland vor Jahren verlassen. Höchste Zeit, nach Hause zu kommen. In ganz seltenen Momenten überwiegt Heim- jedes Fernweh.

Ich wandere durch kanadische Wälder

P.S.: Das hielt aber nicht lange vor: Mittlerweile tagträume ich schon wieder von weit weg…

0 Comments

  1. Kanada muss wirklich traumhaft schön sein. Irgendwann werden wir uns davon überzeugen. Die Landschaft ist toll. Dein Bericht wie immer sehr interessant und auch etwas zum Schmunzeln. Ich hoffe, du schreibst noch viele solcher Blogs.

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