Rio und Gondel zum Pao de Acucar bei Nacht

A garota de Ipanema

Rio und Gondel zum Pao de Acucar bei Nacht

So, weiter geht’s: Glücklicherweise haben wir es trotz Busverspätung rechtzeitig zum Flughafen in Brasília geschafft. Von dort sind wir in verschiedenen Fliegern nach Fortaleza geflogen. Für mich ging es danach noch allein weiter nach Rio de Janeiro.Von oben sieht Brasília sogar überraschend ansprechend aus – viel Wasser und viel Grün.

Brasilía aus dem Flieger

Aber mit Fortaleza kann es nicht mithalten: Lange Strände, Surferwellen und Miami-Feeling! Dank Äquator-Nähe liegen die Temperaturen zwischen 26 und 32 Grad – das ganze Jahr lang. Unsere Airbnb-Unterkunft war direkt am Stadtstrand, Praia da Iracema und im zehnten Stock, daher mit einem traumhaften Ausblick.

Skyline und Strand von Fortaleza

Strandapartments in Fortaleza

Anders als in Miami ist alles ziemlich günstig. Für ein Abendessen inklusive Vorspeise und Getränke haben wir zusammen nur 50 Reais gezahlt, was etwas mehr als 15 Euro entspricht. Natürlich war es extrem lecker, ich habe sogar ausnahmsweise sogar ein wenig bacalhau (Stockfisch) gegessen. Allerdings ist es nicht ganz einfach, in Fortaleza ein Restaurant zu finden. So richtig touristisch ist die Stadt abseits vom Strand (noch) nicht.  Was ja auch gut ist. Andererseits sind wir als gringas, also Nicht-Brasilianerinnen, entsprechend aufgefallen: Als wir aus Versehen an einer Bushaltestelle mitten im Ghetto ausgestiegen sind, wurden wir mit Geleitschutz von aufrichtig besorgten Bürgern sofort zurück zur Haltestelle eskortiert. Eine ältere Frau hat uns bewacht,  bis wir in den richtigen Bus zum Praia do Futuro eingestiegen sind.

Praia do Futuro in Fortaleza

Kokosnusswasser am Praia do Futuro in Fortaleza

Ich kann nicht beurteilen, ob Fortaleza tatsächlich gefährlich ist oder ob sich die Brasilianer gegenseitig einfach nur nicht allzu sehr vertrauen. Es war schon eine gewisse Grundanspannung da, passiert ist aber nichts. Wir sind wegen unserer Wertsachen eben nie zeitgleich baden gegangen. Das sollte man an Berliner Seen ja auch nicht, wie ich lernen musste.

Von Fortaleza bin ich ohne Michaela weiter nach Rio de Janeiro gereist. Ich hatte schon lange vor meiner Ankunft beschlossen, dass ich die Stadt mögen würde. Und so kam es auch – obwohl das Wetter wirklich schlecht war. Aber so habe ich die goldenen Strände von Ipanema und Copacabana in Grautönen gesehen, was bestimmt ein seltener Anblick ist!

Am Strand von Ipanema

An der grauen Copacabana

Ich hatte nur drei Tage in Rio und mich einem Hostel in Ipanema einquartiert. In Wirklichkeit dürfte es aber kein Hostel, sondern eine argentinische Enklave gewesen sein. Denn ich war die einzige Deutsche dort – und so etwas passiert bekanntermaßen in keinem Hostel dieser Welt! Ipanema ist übrigens ein sehr angenehmes, von Wasser umzingeltes Viertel: Auf der einen Seite der Atlantik, auf der anderen ein See mit Blick auf den Berg mit der Cristo-Statue.

Besonders cool an Rio ist, dass man sehr gut zu Fuß herumkommt. Es gibt ganz urlauberfreundlich Wegweiser zu Sehenswürdigkeiten, beschriftet mit „Rio a Pé“ (Rio zu Fuß). Daher bin ich von Ipanema durch Copacabana bis zum Zuckerhut spazieren gegangen. Am Zuckerhut, der eigentlich Pão de Açúcar (Zuckerbrot) heißt, schließt sich noch ein „echter“ Wanderweg an: Der führt durch ein Stück des inzwischen fast überall abgeholzten brasilianischen Atlantikwalds auf den kleineren der beiden Hügel. Der Aufstieg ist in Flip Flops machbar und man spart sich damit ein Gondelticket. Zum höheren der beiden Berge muss man dann allerdings die Seilbahn nehmen.

Gondola zum Pao de Acucar in Rio de Janeiro

Rio vom Pao de Acucar

Der Blick vom Zuckerhut ist auch bei grauem Himmel überwältigend: Der langgezogene Halbmond-Strand von Copacabana, die steilen grünen Hügel, dazwischen filigrane weiße Hochhäuser und dazu der endlose Atlantik. Mir wurde gesagt, den Sonnenuntergang vom Zuckerhut aus zu beobachten, soll unglaublich sein. Gut, einen Sonnenuntergang im romantischen Sinne des Wortes gab es an dem Tag nicht, aber dafür eine schöne Abenddämmerung: Nach und nach gingen alle Stadtlichter an. Dann habe ich gefühlt stundenlang auf eine Wolkenlücke gewartet, um den blau erleuchteten Cristo erspähen zu können. Und das Warten hat sich gelohnt.

Der Zuckerhut und ich

Rio de Janeiro mit dem Cristo bei Nacht

Rio hat mich an manchen Ecken sehr an Lissabon erinnert. Santa Teresa zum Beispiel, das Künstlerviertel mit den verschlungenen Gassen. Man kann mit einer gelben Straßenbahn dort hochfahren, die in Lissabon eléctrico heißt und in Rio bondinho. Die bondinho war kostenlos, was vermutlich daran liegt, dass die Bahn erst seit kurzem überhaupt wieder fährt. Von 2011 bis 2015 war sie nach einem Unfall mit fünf Toten nicht in Betrieb.

Eléctrico in Santa Teresa, Rio de Janeiro

affe

Während Santa Teresa entspannt und verwunschen ist, fand ich das Zentrum von Rio eher anstrengend. Nachts sollte man sich dort außerdem wohl besser nicht aufhalten. Überhaupt, Sicherheit: Egal wo in Rio man sich befindet, die nächste favela ist nie weit. Aber inzwischen sind einige dieser Slums, besonders die in der Innenstadt, von der Polizei „befriedet“ worden: Nur noch jede dritte favela wird von einem Drogenkartell kontrolliert. Tatsächlich werden geführte Touren durch manche dieser Siedlungen angeboten. Ich konnte leider keine mitmachen; die Zeit hat gefehlt.

Brasiliens Kaffeekultur hat mich im leider enttäuscht. Mit einer Ausnahme: Der café com leite im ehrwürdigen Kaffeehaus Confeitaria Colombo war in der Tat sehr gut. Im Allgemeinen sind mir Brasiliens Cafés aber zu italienifiziert: Überall klebrig-süße Cappuchinos mit geschäumter Milch, dazu Kakaopulver plus Zimt. Zugegeben, es gibt viele Brasilianer mit italienischen Wurzeln. Aber ein Land, in dem Kaffee angebaut wird, hätte in dem Punkt doch eine eigene Identität verdient? Schon schade. Und gar nicht zu vergleichen mit Portugals grandiosen nationalen Kaffeespezialitäten wie meia de leite oder galão.

An meinem letzten Abend in Brasilien wurde ich von einer Gruppe Argentiniern eingeladen, mit ihnen im Partyviertel Lapa feiern zu gehen. Also habe ich mich mit fünf Argentiniern in ein Standardtaxi gequetscht (der arme Fahrer). In Lapa standen wir dann vielleicht eine Stunde mit Caipirinhas auf der Straße herum, haben ständig Leute verloren, neue getroffen, konnten uns für keinen Club entscheiden und sind schließlich wieder ins Hostel gefahren. Kurz gesagt: Es war zu lustig! Und hat mich in meiner Überzeugung bestärkt, dass ich Spanisch lernen sollte – und dass Argentinier verrückt sein müssen.

Street Art in Rio de Janeiro

In jedem Fall hat es so ein weiteres Land auf meine Reiseliste geschafft; leider liegt es wieder eher nicht in Deutschlands Nachbarschaft. Mit der Reise nach Brasilien habe ich mein CO2-Budget für dieses Jahr schon um deutlich mehr als das Doppelte überschritten.

Meine CO2-Kompensation der Brasilienreise

Auch wenn ich mir dafür einen „Ablassbrief“ gekauft habe: Besser ist, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Zum Glück wohne ich in Europa. Und zum Glück gibt es hier Züge.

Where to next?

Straßenkunst in Rio de Janeiro

P.S.: Für Rio einen Klassiker – was sonst.

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