Sich spiegelnde Wolken am Ninety Mile Beach

Der Weg ist das Ziel

Umso wahrer, wenn man eine abenteuerliche Art zu reisen wählt. Caro und ich haben Northland entdeckt – per Anhalter.

Auckland Sky Tower bei NachtAber im Detail:

Tag 1: Auckland – Whangarei. 158 km.

Zentrum von Whangarei
9:30 am. Ein regnerischer, grauer Freitagmorgen. Am Bahnhof treffe ich Caro, die mindestens so müde ist wie ich. Wir fahren raus nach Takapuna, einen Vorort von Auckland. Denn „direkt aus der City lässt es sich schlecht trampen“, wie wir gehört haben. Aus ganz Auckland heraus lässt es sich schlecht trampen, merken wir in den nächsten 40 Minuten. Trotzdem, das ist die Art, auf die wir den Norden Neuseelands er-/befahren wollen. Tja, aber ganz ehrlich: Es ist nicht wirklich cool, ewig am Straßenrand zu stehen, mit unseriös nassen Haaren, einem lächerlichen Eastpak-Rucksack („Nur wenig Gepäck mitnehmen, dann reist ihr schneller!“) und jedem Auto ein bisschen entmutigter hinterherzustarren. Überlege gerade, ob es nicht schlauer wäre, die Aktion als erfolglos abzuhaken und mit dem nächsten Bus zurück in meine warme Wohnung zu fahren. Genau in dem Moment hält natürlich ein Auto. Unsere erste Mitfahrgelegenheit! Der Fahrer ist kaum älter als wir, Student an der AUT und trägt eine feste Zahnspange. Er kann uns nur nach Albany bringen, das ist kaum 10 Minuten nördlich von Auckland. Egal, in unserer Verzweiflung steigen wir dankbar ein… und unser Abenteuer beginnt.

Caro und ich hatten im Vornherein eine ziemlich deutliche Vorstellung von den Orten, an denen wir stoppen, den Dingen, die wir dort erleben und den Hostels, in denen wir schlafen wollen. Das Problem beim Trampen ist nur: Ob wir unsere Ziele erreichen, liegt nicht in unserer Hand. Wo wir letztlich die Nacht verbringen? Wer weiß.

Doch Trampen hat auch unglaubliche Vorteile: Zuerst ist es extrem günstig (bzw. umsonst), dann – und das war der entscheidende Aspekt – trifft man dabei unglaublich interessante Einheimische. Die kennen ihr Land selbstverständlich am besten und können unbezahlbare Insidertipps geben. Die 150 km zwischen uns und Whangarei, unserem ersten Stopp, fahren wir mit:

1. Einem Typen, der seine Freundin zur Uni gefahren hat. Sein Tacho ist so manipuliert, dass es immer 0 km/h anzeigt – spart Geld.

2. Einen Truckfahrer, der mit Forrest Gump-Betonung ständig „No worries, man!“ sagt; ob passend oder nicht.

3. Einer Air New Zealand-Flugbegleiterin, die extra für uns einen Umweg macht – wir sind jetzt bei Facebook befreundet.

Hatea River in Whangarei

Gegen Mittag, schneller als erwartet, erreichen wir die Kleinstadt Whangarei. Unsere Unterkunft liegt 5 km außerhalb der Stadt, wir laufen natürlich (haben ja nur wenig Gepäck). Anmerkung: Nein, Northland ist nicht Norddeutschland – es gibt durchaus ein paar Berge…

Unsere Unterkunft little earth lodge in Whangarei

Doch unser Hostel ‚Little Earth Logde‘ war das vollkommen wert!!! Sozusagen im Garten gibt es Glowworm-Höhlen, Eintritt umsonst! Und vom Hostel gibts Helme und Lampen gratis geliehen. Es war so unglaublich still. Kein Vergleich zum anstrengenden Auckland. Statt 6-Bett-Dorms gibt es ein 2-Bett-Luxuszimmer – ich habe schon lange nicht mehr so tief geschlafen!

Ich klettere in eine Höhle mit glow worms in Whangarei

Tannenbaum vor Abendlicht in Northland

Tag 2: Whangarei – Kawakawa – Paihia. 71 km.

Von den Hostelbesitzern werden wir zurück an den Highway gefahren, wo wir vielleicht 10 Minuten warten, bis uns ein weißer Pick-up mit Firmenlogo nach Kawakawa bringt. Wir verlassen das Auto mit der Empfehlung, Kumara-Pommes mit Sour Cream zu probieren.

Kawakawa ist eigentlich bloß ein verschlafener Ort. Doch ich fühlte mich hier gleich zu Hause, denn… Hundertwasser (der ganz in der Nähe von Kawakawa gelebt hat – ohne Strom) hat die Public Toilets gestaltet!

Toiletten von Hundertwasser in Kawakawa

Nach diesem obligatorischen Stopp fahren uns zwei Jungs weiter nach Paihia, die erste Anlaufstelle im Bay of Islands. Im Hostel leihen wir umsonst Fahrräder und bekommen einen Tipp, wie wir die 25$ Eintritt zum Waitangi-Gebiet ‚umgehen‘ können. Der Vertrag von Waitangi ist das erste Abkommen zwischen Maori und Pakeha (den Weißen) und entsprechend ist die Gegend höchst historisch bedeutsam.

Ich vor dem whare runanga in Waitangi

Russell, eine malerische Inselstadt, war eine Zeitlang Neuseelands Hauptstadt. Unvorstellbar, denn als wir um 4:00pm da ankommen, sind die Bürgersteige schon halbwegs hochgeklappt. Ein bisschen durch Kiwizonen-Wälder wandern geht aber trotzdem.

Hafen von Russell

Tag 3: Paihia – Kerikeri – Kaitaia. 131 km.

Delfine im Bay of Islands

Um 8:30am verlassen wir unser Hostel; wir haben einen Delfincruise gebucht. (Absolute Touristenaktion, aber was soll man machen.) Und weil bisher ja alles geklappt hat, sehen wir natürlich auch Delfine! Und nebenbei das berühmte ‚Hole in the Rock‘.

hole in the rocks im Bay of islands

Kaum wieder an Land, geht es weiter Richtung Kerikeri – bekannt für seine Orangen- und Kiwiplantagen. Eine kurze Strecke, die uns einer 33-jährige, vierfache Mutter mitnimmt. Sie erzählt uns von ihrer Drogensucht. Kaum ausgestiegen, hält das nächste Auto: Ein grüner Mercedes mit beigen Ledersitzen. Ein älteres Ehepaar, der Mann war Pilot. Die beiden nutzen das Sonntagswetter, um einen kleinen Rundflug im Privatflugzeug zu machen – nicht, ohne vorher eine Sightseeingtour durch Kerikeri für uns zu fahren – wir sollen uns ja „ein Bild von der Stadt machen können“.

Frischer Orangensaft in Kerikeri

Von Kerikeri geht eine Wanderung zu den Rainbowfalls (An dieser Stelle: Abkürzungen über Golfplätze zu suchen ist nicht empfehlenswert.)

ich vor den rainbowfalls

Nun ja, inzwischen wurde es später und dunkler und es liegen immer noch 100 km vor uns. Aber wir haben  einfach unerklärliches Glück: Ein älterer Fischer hält. Als wir erwähnen, dass wir eigentlich noch in der Doubtless Bay halten wollten, fährt er uns spontan zu einem Hügel, von dem aus wir die perfekte Panoramasicht haben. Im Abendlicht!

Abendstimmung in der Doubtless bay bei wangonui

In Kaitaia fallen wir ins Bett.

Tag 4: Kaitaia – Cape Reinga – Ahipara. 235 km.

Jaaa, zugegeben, heute haben wir ein bisschen geschummelt: Die 235 km sind nicht komplett getrampt – wir sind mit einer Bustour zum Cape gefahren. Aber das war gut so, denn nur die Busse dürfen am Strand des 90 Mile Beach fahren. 90 Meilen sind übrigens übertrieben! Es sind „nur“ knapp 60; also etwa 100 km.

Sich spiegelnde Wolken am Ninety Mile Beach

Riesige Sanddünen zum Tobbagoning gibt es übrigens auch – zu cool!

tobbagoning von einer sanddüne

Caro und ich haben allerdings beide Cape Reinga zum Highlight unserer Reise erklärt. Angesichts der vielen unglaublichen Ziele, die wir hatten, will das schon was heißen… Aber ich muss einfach nur den Lonely Planet-Spruch zu Cape Reinga zitieren: „Where oceans collide and souls depart.“ Dramatisch!

Leuchtturm und Wegweiser von Cape Reinga

Cape Reinga - wo sich zwei Ozeane treffen

Wobei die Strände auch atemberaubend waren. Besonders, als wir unser Hostel in Ahipara erreichen – dieses Mal mit einer älteren englischen Dame, die einen Maori geheiratet hat – und am südlichen Ende des 90 Mile Beach im Sonnenuntergang zu Abend essen. Und natürlich baden! Unser Hostel, eine Kauri-Villa, heißt nicht umsonst „Endless Summer Lodge“!

Baden im Sonnenuntergang bei ahipara

Tag 5: Ahipara – Tane Mahuta – Auckland. 334 km.

Alles hat mal ein Ende. Auch unser Nordtrip… Uni und Arbeit warten in Auckland schon. Also zurück. Während wir an der Ostküste Highway 1 hochgefahren sind, führt uns Highway 12 an der Westküste zurück. Highway ist allerdings stark übertrieben… nicht mal Landstraße trifft es! In einer Stunde fahren ca. 3 Autos an dir vorbei (beide Richtungen zusammengezählt). Glück, wenn dann das 3. Auto hält! Wir fahren mit einem Hippie-Pärchen, einem Holländer, einem nie lächelnden Maori, einer älteren, einkaufenden Frau, einem englischen Möbellieferanten, einem stolzen Farmerben, einem (wahrscheinlich arabischen) Computerspiele-Erfinder und einem nationalistischen Aucklander nach Hause.

Ich beim Versuch, in Broadwood zu trampen

broadwood - wie im Allgäu

Dabei kommen wir an riesigen Kauribäumen, u.a. dem Tane Mahuta, schönen Stränden, einsamen Städten, unzähligen Schafen, wenigen Menschen und einer Fähre vorbei.

Wir vor dem Tane Mahuta, Neuseelands größtem kauri tree

Zurück in Auckland? Erst nach Sonnenuntergang, gegen 7:00pm. Die Stadt ist sooo laut! Und wir vollkommen überwältigt. Eigentlich gibt es noch so viel mehr zu erzählen. Aber ich fürchte, das sprengt den Rahmen.

Ein schönes Wochenende! Love u

P.S. DER Roadtripsong! Selbstverständlich von einer Band aus Auckland!

0 Comments

  1. tolle bilder =)
    besonders gefällt mir der sonnenuntergang
    (wenn die chucks neuseeland heile/irgendwie noch tragbar überstehen, sollten sie einen ehrenplatz bekommen 😀 )

  2. Hey Maria!
    Ich wünsche Euch noch eine ganz tolle Zeit!
    Mich beeindruckt Euer Mut ein neues Land, neue Leute und ein anderes Leben kennenzulernen!
    Ganz liebe Grüße
    Britta Bumiller

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Welt-Erfahrungen