Capitol von der Congress Avenue Brücke

Austin sucks.*

Don’t move here.

*Austin ist scheiße. Zieh‘ nicht hierher.

Owl Building

Letztens hat eine Kommilitonin von mir diesen Link geteilt – ich musste ihm folgen. Und lachen, denn da ist viel Wahres dran.

Das Poster ist eine ironische Antiwerbung für die Stadt, in der ich gerade lebe. Meine Mitbürger befürchten offenbar, dass Austin vielleicht seinen besonderen Charme (oder eher die im Schatten der Großen – Houston, Dallas, San Antonio – unbemerkt ausgeprägte Seltsamkeit) verlieren könnte, wenn sie von zu vielen Menschen entdeckt und eingenommen würde. Berechtigte Sorge übrigens:  Austin stand 2013 auf Platz 1 der am schnellsten wachsenden amerikanischen Städte. Die Stadt ist wohl gerade absolut in Mode.

Austin Rocks

Really„, dachte ich, „WARUM DAS DENN?!“ Also versteht mich nicht falsch, ich wohne schon gerne hier, aber das herausragen Attraktive der Stadt war mir wohl irgendwie entgangen. Und dann gibt es da zudem dieses schreckliche Bussystem in Kombination mit weiten Wegen nach eigentlich überall hin. Und richtig, meine dominierende erste Assoziation von Austin mit UT = Uni, Deadlines, tausend Seiten lesen und/oder schreiben (bis spätestens nächste Woche, natürlich). Insgesamt blieb also zu wenig Zeit, um alle die Massen anziehenden Facetten der Stadt kennenzulernen. Doch in der letzten Woche habe ich mir dafür Zeit genommen, immerhin sind meine Seminare nun vorbei! Und ich war… naaa gut, vielleicht nicht verliebt, aber doch zumindest sehr positiv überrascht.

Capitol and Congress Ave

Offensichtliches zuerst: Das Wetter hier ist besonders im Winter perfekt. Gestern hatten wir 25°C und ich kann mich nicht erinnern, wann es das letzte Mal Wolken gab. Geschweige denn Regen. Und dank Äquatornähe sind die Tage so wunderbar lang!

Candy Store

In Austin kann man Fahrrad fahren, besonders entlang des breiten Flusses, der (fälschlicherweise) aufgrund seiner Größe als Lake Austin, also als See, bezeichnet wird. Beim Fahrradfahren werden auch diese erstaunlich krassen Unterschiede zwischen nebeneinander liegenden Stadtvierteln deutlich. In weniger als einer halben Stunde kann man so z.B. vom hochkriminellen Riverside, wo ich wohne (äh, erinnert an unschönes Gewerbegebiet) übers beschauliche Travis Heights (so ruhig, hügelig und grün wie West Auckland, Neuseeland) ins Hipster-übervölkerte, mit passend zum Klientel individuellen Läden zugepflasterte SoCo gelangen. Diese Abwechslung ist spannend.

Ramen Nudeln

Austins Vielfalt erstreckt sich auch auf teils gut versteckte, sehr preisgünstige Restaurants. Neben dem allgegenwärtigen, unwiderstehlichen Tex-Mex, gibt es mexikanische Bars und Fast Food-Ketten, Sushi und Ramen-Nudeln, Thai, brasilianische Grills und Donutshops, die bis um 4:00 Uhr nachts geöffnet sind. Ich war bisher nie „normal“ Italienisch essen, obwohl das natürlich auch angeboten wird. Und ich muss unbedingt noch die Food Trucks ausprobieren!

Whole Foods

Selber mit hochwertigen Zutaten kochen geht aber natürlich auch. Austin ist Hauptquartier der eleganten Bio-Supermarktkette Whole Foods, die so schöne Läden hat, dass ich Fotos machen musste. Sonst aber nichts von dort mitgenommen habe; war mir etwas zu teuer.

Aber das Beste an Austin ist das kulturelle Angebot. Partyanlaufstelle Sixth Street ist immer verbunden mit Barhopping, mindestens einer mehr oder weniger skurrilen Begegnung und manchmal endet es mit selbstgebastelten Ringen aus Kupferdraht an deinem Finger… Aber eigentlich wollte ich mit „kulturellem Angebot“ auf so etwas wie Livebands, Graffitis, Festivals, Kinos mit Speisenlieferung zum Sitzplatz und die wöchentlichen Poetry Slams im Spider House hinaus.

Spider House

Sixth Street

Und definitiv, Austin ist merkwürdig. Aber man gewöhnt sich irgendwie daran, Menschen mit Cowboyhüten und manchmal auf Pferden die Hauptstraße entlang reiten zu sehen oder an Menschen, die in bunt gebatikten T-Shirts mit „Keep Austin weird“-Aufschrift und dazu Texas-Shorts bei schrecklichen 100°F an dir vorbeijoggen, bestenfalls mit zwei Hunden im Schlepptau. Umziehende Häuser. Oder diese völlig unvorhersehbaren Komplimente von Fremden zu bekommen („Ich mag dein Fahrrad/deine Schuhe/deinen Schal!“ Sagen es und machen weiter mit was auch immer sie davor getan haben, aber meist schafft man es noch, ein „Danke!“ zu erwidern). An Bushaltestellen oder in Footballstadien in intensive Diskussionen mit Unbekannten verwickelt oder von entfernten Bekannten nach Mitternacht einfach so vom Flughafen abgeholt zu werden. Gut, ich nenne es nun merkwürdig, aber eigentlich ist das alles ziemlich witzig bzw. cool. Und ich werde es vermissen.

Moving House

Austin Travis Heights

Einziger echter „Austin sucks“-Punkt vielleicht: Verdammt, es liegt in Texas…

P.S.: Lief im Autoradio meiner Mitbewohnerin. Sie sind aus Austin.

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