Herbstlicher Kanal in Joordan in Amsterdam

Amsterdam im Herbst

Amsterdam, die Fahrradstadt

Rasante Fahrradfahrer, nahezu geräuschlose Straßenbahnen und Kanäle ohne Geländer: Amsterdam ist vermutlich lebensgefährlich, wenn man dazu neigt, nicht auf seinen Weg zu achten. Und ist es so einfach,  angesichts der kleinen Gassen, schmalen Häuser und zahllosen Brücken Alltägliches wie Straßenverkehr um sich zu vergessen. Substanzen, die die Wahrnehmung  beeinträchtigen und wirklich an jeder Ecke angeboten werden, habe ich in das Risiko noch gar nicht einkalkuliert.

Herbstlicher Kanal in Joordan in Amsterdam

Amsterdam ist unwirklich schön. Tatsächlich war das verlängerte Wochenende dort meine erste Reise in die Niederlande. Das Gute liegt offensichtlich zu nah: Denn die Zugfahrt (Direktverbindung, ein Traum) von Berlin dauert nur etwa sechs Stunden und ist während der „Hauptreisezeit“ November sogar einigermaßen günstig. Das gilt leider nicht für Unterkünfte in der holländischen Hauptstadt. Wir haben für unser Zweier-Hostelzimmer für drei Nächte etwa 280 Euro gezahlt. Dafür haben wir allerdings auch im coolsten Hostel überhaupt übernachtet; ganz Amsterdam-typisch auf einem Hausboot namens Anna. Absolute Empfehlung! Schon das Aufschließen der Eingangstür ist ein Erlebnis. Passt aber auf, dass ihr nicht seekrank werdet…

Breiter Kanal und Fahrräder in Amsterdam

Aussicht vom Nemo Museum über Amsterdam

Was tun in Amsterdam (außer Radfahrern ausweichen)? Für mich war das Anne Frank Haus ein Muss, weil ich ihr Tagebuch gelesen hatte. Um die extremen Schlangen zu vermeiden, lohnt es sich, die Tickets für einen bestimmten Zeitpunkt vorher online zu bestellen. Da ich jetzt drin war, muss ich aber sagen, dass es schon beeindruckend ist, durch die Räume zu gehen. Es ist unvorstellbar, wie sich dort acht Menschen monatelang ohne Sonnenlicht verstecken konnten. Doch das Haus war einfach überfüllt mit Touristen – und das, wohlgemerkt, mitten im Herbst. Für mich war es daher deutlich eindringlicher, eine KZ-Gedenkstätte zu besuchen.

Schlange vor dem Anne-Frank-Haus

Museen gibt es in der Stadt übrigens reichlich, was für kalte Tage natürlich perfekt ist. Völlig umsonst ist das Käsemuseum – und dort gibt es auch gratis noch Proben! Wir waren darum gleich zweimal da (selbstverständlich an verschiedenen Tagen). Leider sind die bekanntesten dagegen unerhört teuer. Wir haben für das Van Gogh Museum  schockierende 17 Euro Eintritt gezahlt und sind daher nicht ins Rijksmuseum gegangen, das genauso viel gekostet hätte. Das ist allerdings auch schon von außen schön.

Rijksmuseum von Amsterdam

Zufällig sind wir am 13. November in die Sinterklaas-Parade hineingeraten, bei der Nikolaus durch die Stadt zieht. Beziehungsweise erst einmal auf einem Boot einfährt – das ist schließlich Amsterdam. Berühmt-berüchtigt ist der niederländische Helfer vom Nikolaus, der Zwarte Piet, zu deutsch etwa Schwarzer Peter. Naja, kurz gesagt, die Helfer malen sich das Gesicht komplett schwarz an, denn der Zwarte Piet ist der Überlieferung nach ein Schwarzer. Dieses „Blackfacing“ wurde sowohl in den Niederlanden als auch von den Vereinten Nationen als rassistisch kritisiert. In diesem Jahr waren die Gesichter einiger Pieten nur noch leicht schwarz gefärbt, wie bei Schornsteinfegern. Das neue Narrativ dazu: Der Nikolaus-Helfer steckte im Kamin fest.

Anyway. Auch eine Stadt wie Amsterdam ist ohne passende Reisebegleitung nicht einmal halb so cool. Deswegen: Jonathan, thank you again, I had an amazing time! Budapest soon? 😉

Jordaan

P.S.: „Do you like Bon Iver?“
„Not an absolute favourite, but: yes. Why would I like them? Please explain.“
„Slow and boring?“

Amsterdam im Herbst Comments

  1. Hallo Maria. Ich liebe es deine Reiseberichte zu lesen. Amsterdam war plötzlich wieder bevor meine Augen! Vielen Dank! Ich freue mich – auch wenn ich es oft erst später lesen.
    Be good and stay well.

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