piazza della repubblica in der Abendsonne

When in Rome: Kurztrip in die ewige Stadt

 

Nach meinem Tag im romantischen Cinque Terre erreichte ich abends Rom. Die Stadt wollte ich schon seit Jahren besuchen, aber irgendwie ist immer etwas dazwischen gekommen: Entweder fehlte es an Zeit, Geld oder einer Reisebegleitung. Auf letztere habe ich kurzerhand verzichtet und die ersten beiden Bedingungen waren ausnahmsweise mal zeitgleich erfüllt. Leider muss ich sagen, dass mich Rom nicht begeistert hat.

Zweifelsohne ist es eine schöne Stadt mit jahrtausendealter Geschichte, über die ich an jeder Ecke gestolpert bin. Und wo sonst gibt es “Outdoor-Museen”, so wie etwa das Colosseum und Forum Romanum? Aber Rom hat kein Meer. Und einer Stadt ohne Strand wird immer ein Stück zur Perfektion fehlen… 

Außerdem habe ich Rom nicht bei bestem Wetter erlebt. Es war ziemlich kalt und hat am zweiten Tag sogar geregnet. Zum Glück war ich da die meiste Zeit in den Vatikanmuseen und damit im Trockenen. Der Eintritt in die Museen inklusive der Sixtinischen Kapelle kostet bei Internetvorbestellung ganze 20 Euro. Ich weiß nicht genau, ob das Vorbestellen im Dezember und damit außerhalb der Saison wirklich nötig ist, aber es gab schon eine längere Schlange. Und viele obskure Personen, die einem in der Nähe des Eingangs Last-Minute-Tickets aufschwatzen wollen, mit denen man vieeeel schneller hereinkomme.

Petersplatz im Vatikan mit weihnachtsbaum

Flur im Vatikanmuseum

Decke im Vatikanmuseum

Die Museumsausstellungen waren ziemlich kunstzentriert. Am beeindruckendsten fand ich eigentlich die Gebäude mit den endlos langen Fluren selbst. Und natürlich die Deckengestaltung der Sixtinischen Kapelle. Wie schade, dass die Malereien von Michelangelo meist auf diesen kleinen Ausschnitt reduziert werden, in dem sich die Finger von Gott und Adam fast berühren. Dabei ist die ganze Decke der Kapelle so sehenswert! Ich hatte am Ende beinahe eine Nackenstarre vom langen Nach-Oben-Gucken. Leider ist es verboten, Fotos zu machen – und ich habe mich daran gehalten. 

Selbstverständlich habe ich auch die anderen Rom-Klassiker abgehakt. Ich habe Münzen in den Trevi-Brunnen geworfen (rückwärts über die Schulter) – und beim ersten Mal prompt vergessen, mir etwas zu wünschen, weil ich mich so auf diese koordinative Meisterleistung konzentrieren musste. Außerdem war ich in dem Moment eigentlich sowieso wunschlos glücklich.

Trevibrunnen bei Nacht

Ich habe mich auf dem bunten Markt Campo de’Fiori umgesehen, aber außer Oregano nichts gekauft, obwohl es eine beeindruckende Auswahl an Mokkakannen gab. Ein nächtlicher Spaziergang am Tiber war auch drin. Und natürlich habe ich Circus Maximus (unspektakulär) und die Spanische Treppe (inklusive modernem Weihnachtsbaum) gesehen. Auf den Stufen in der Sonne zu sitzen, ist selbst im Dezember ziemlich schön, aber im Sommer bestimmt noch besser. 

Marktstand mit Mokkakannen auf dem Campo de' Fiori in Rom

Tiber am Abend

Spanische Treppe und die Kirche Trinità dei Monti

Die Spanische Treppe mit Weihnachtsbaum

Mit dem Nachtzug ging es dann zurück nach München und von dort weiter nach Berlin. Ich konnte sogar etwa zwei Stunden schlafen, was für eine Fahrt im wackelnden, lauten Nachtzug mit zu kurzen Betten ziemlich gut ist. Leider wachte ich zu schlimmen Neuigkeiten auf: Am Abend meiner Heimreise ist ein LKW in eine Menschenmenge auf dem Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gefahren. Schneller kann man wohl nicht aus dem Urlaub in die Realität zurückgeholt werden. Doch umso mehr habe ich mich gefreut, dass die Berliner sich die Weihnachtsstimmung nicht kaputtmachen ließen und nicht alle Geflüchtete und Ausländer über einen Kamm scherten. Ich selbst bin viel zu gerne im Ausland unterwegs, unterhalte mich mit Leuten aus anderen Ländern und bin froh, dass das so unkompliziert ist. Wenn wir dieses Privileg aufgrund von Misstrauen und Angst einschränken würden, dann hätten die Terroristen ein bedeutendes Ziel erreicht. Ich hoffe, dass es so weit nicht kommt. 

Ich vor dem Colloseum in Rom

P.S.: Wann ist endlich Frühling? Für März habe ich eine Interrail-Tour durch Südwesteuropa geplant!

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Welt-Erfahrungen