Big Ben und London Eye bei Nacht

London, Pre-Brexit

Big Ben und London Eye bei Nacht

Bevor Großbritannien die EU verlässt, wollte ich mich noch einmal persönlich verabschieden. Und den Briten die eine Frage stellen: Warum?! Daher war ich ein paar Tage in London.

Na gut, das mit dem Verabschieden stimmt nicht ganz; in Wahrheit habe ich Freunde besucht. Brexit war allerdings wirklich immer wieder Thema. Aber ich glaube, die meisten Londonder in meinem Alter sind genauso geschockt von dem Ergebnis der Abstimmung wie ich. Deswegen konnte mir niemand die Dummheit richtig erklären. Viele scheinen gerade im zweckoptimistischen Verdräng-Modus zu sein, da sich der Austritt gefühlt noch ewig hinzieht. Zunächst muss Großbritannien formell den Austritt erklären, was jetzt für den nächsten März angesetzt ist. Anschließend werden die Verhandlungen zwischen EU und UK zwei Jahre dauern.

Weil es mein dritter Besuch in London war, gab es kein volles Touri-Programm mit Saint Paul’s, Hide Park und Covent Garden. Okay, ein Museum musste schon sein, immerhin sind die in London kostenlos. Christine und ich waren im Museum of Natural History. Ich habe zwar schon beeindruckendere Ausstellungen gesehen, aber das Gebäude ist ein Highlight.

Und den Weihnachtsmarkt in Southwark konnten wir uns nicht entgehen lassen, daher gibt es auch ein klassisches Foto von Big Ben plus London Eye.

Gebäude des Londoner Museum of Natural History

Ansonsten war ich in Brixton,  einem Partyviertel, was ich zu meiner Schande aber nicht selbst getestet habe. Im östlich gelegenen Hipster-Hackney waren wir auf einem wunderbaren Wohnzimmerkonzert von Sofar Sounds. Ein Gig dauert ungefähr zwei Stunden und es treten drei verschiedene Künstler auf. Wer spielt und wo genau das Konzert stattfindet, wird erst einen Tag vorher bekanntgegeben. Bei uns war es buchstäblich im Wohnzimmer einer Privatwohnung und zwei der drei Künstler waren wirklich sehr gut (siehe P.S.). Sofar Sounds gibt es auch in ein paar deutschen Städten, unter anderem natürlich in Berlin.

Am Samstag waren wir nochmal in Hackney auf dem Broadway Market, um zu frühstücken. Ich habe vegetarisches Scotch egg probiert – kann ich empfehlen. Danach waren wir am Kanal und in Victoria Park spazieren. Das war definitiv ein Teil der Stadt, den ich ohne Wahllondonerin Michaela nie gesehen hätte; also vielen Dank für die gute Führung! 😉

Scotch Eggs vom Broadway Market in Hackney

Kanal in Hackney, London

Ich möchte euch auch nicht vorenthalten, dass ich im wohl ältesten Dinosaurierpark der Welt war. Im Crystal Palace Park in Südlondon gibt es noch heute die Saurierfiguren aus den 1850er Jahren.

Für einen Tagesausflug waren wir außerdem in Oxford, einer überraschend kleinen Stadt mit hoher Fahrraddichte. Mit dem Zug von London waren wir in einer Stunde dort. Irgendwie hat mich das ebenfalls überrascht: Ich war überzeugt, dass Oxford mysteriös versteckt mitten in England liegen müsste. Definitiv schwerer zu erreichen.

Venedig-inspirierte Bridge of Sighs in Oxford

Schließlich ist es ja auch schwer, an einem der 38 Colleges aufgenommen zu werden. Das College-System an den englischen Elite-Universitäten ist seltsam: Wie in Deutschland bewirbt man sich auf einen Studiengang. Zusätzlich gibt man ein Wunsch-College an. Auf dem Gelände des jeweiligen Colleges wohnen die Studenten dann. Außerdem organisieren die Colleges eigene Tutorien und akademische Beratungen. Die Vorlesungen dagegen werden für alle Studenten von der “eigentlichen” Universität veranstaltet.

Die Colleges erinnern mich an die Häuser von Hogwarts – abgesehen davon, dass der Student selbst wählen darf und nicht vom Sprechenden Hut zugeteilt wird. Gut, wenn die Erstwahl voll belegt ist, wird dem angehenden Studenten ein anderes College schmackhaft gemacht. Wie aber unter 38 Optionen eine Entscheidung treffen? Aus erster Hand weiß ich, dass manche ihr College wegen des besonders witzigen Namens ausgesucht haben. Andere gehen nach den Alumni. Ich bezweifle zwar, dass ich jemals 9250 Pfund für die jährlichen Studiengebühren übrig haben werde, habe aber sicherheitshalber schon recherchiert und mich für das Worcester College entschieden. Nicht, weil es heißt wie die Sauce, sondern weil Emma Watson da studiert hat. Und sie war offenbar auch mal in der Turf Tavern, wo wir Mulled Cider (Glühcider) getrunken haben.

Gästeliste des Oxforder Pubs Turf Tavern

Nur Studenten oder Absolventen von Oxford dürfen die Universitätsräume einfach so betreten. Außenstehende müssen leider für jedes Gebäude zwei Pfund Eintritt zahlen. Wir haben eine Führung durch die Uni gemacht und konnten so das Balliol und Trinity Colleges sowie Teile der Bibliothek sehen. Die Colleges haben jeweils eigene Kapellen und ihren eigenen Speisesaal. Mensa trifft es einfach nicht.

College der Universität von Oxford

Bibliothek von Oxford

Speisesaal eines Oxforder Colleges

Ich bin übrigens mit dem Zug von Berlin nach London gefahren. Nicht, weil das so günstig wäre (ist es nicht), so schnell ginge (zehn Stunden Fahrt) oder so zuverlässig wäre (bei der Rückfahrt um Mitternacht in Hannover gestrandet, zum Glück bei meinem Bruder untergekommen). Aber mit den Flügen nach Brasilien habe ich in diesem Jahr schon genug gegen den Klimaschutz getan. Außerdem wollte ich unbedingt einmal im Eurostar fahren, bevor der Tunnel zugemauert wird (Scherz. [Hoffentlich]). Interessanterweise wird jeder vorm Einsteigen in den Zug kontrolliert wie am Flughafen, was man zeitlich einplanen sollte.

Ein echter Vorteil des Transportmittels: Ich bin direkt im Zentrum Londons angekommen und wieder abgefahren. Schon praktisch. An dieser Stelle noch ein großes Danke an Christine, Michaela und Jonathan fürs Abholen beziehungsweise Verabschieden.

Christine, Michaela und ich mit Hot Cider vom Southwark Christmas Market

st-pancras-london

P.S.: Hier der versprochene Künstler vom Sofar Sounds.

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